Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1810)
- Article
- Erziehungs- und Schulwesen
- Date
- 1810-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 17)
- Language
- German
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——i99 Wik ivollci! nun noch am Schlüsse einen Blick ' auf' die religiöse Verfassung werfen. — Einst war sie, wenigstens im Hause Jacobs, monarchisch; denn ihr beugte man das Knie, ihre Stimme wurde als die erste im Staate Gottes respektier» und in jeder Miene und Bewegung war sie, zwar eine etwas zu strenge, aber doch beglückende Gebieterin. Jetzt ward sie republikanisch, und ihr Genius scheint weinend geflohen zu seyn, und in vielen Hausern dampfen ihr keine Opftrgabcn mehr, und Priester und Pricstcrinnen sind uneinig bei ihrer Verehrung , und öffnen sich gegenseitig Len Janus-Tempcl des Haders und Streits. Alles, was/ das Kind in so vielen Hausern, und besonders in großen Städten mit seinem Ohre hört» mit feinem Auge sicht, sind tobte Lehren und herzlose Cercmonicn, die das Gcmüth nicht erwärmen , und das innere Leben morden. Und doch nennt man das noch so häufig und oft Religion! Das Ge« Hirn des Kindes wird mit Worten, mit t o d t e n Worten angefüllt; aber das Ecmüth nicht durch feurige Lehren erwärmt. Es behält diese Worte, wie es seine lateinischeu oder französischen Vokabeln behält, cs kann daher auch mitschwatzcn, wenn von diesem Gegenstände gespro«° chm wird — cs denkt sich die Religion wie irgend eine Kcnntmß, und oft sucht man sie ihm abzufragen —aber handeln, dazu fehlt ihm die Kraft. Rousseau hat Recht, wenn er sagt: Wenn id) die verdrießliche Dummheit malen wollte, so würde ich einen Pedanten malen, der Kinder den Katechismus lehrt. Wenn ich ein Kind närrisch machen wollte, so würde ich cs nöthigen, das zu erklären, was es aus seinem Katechismus hcrsagk." Ist