Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Auch ist eS zu bewundern, daß die Rabbiner in den franzSsischen Departements, besonders im Elsaß und in Lothringen, wo viele Israeliten wohnen und wo jene Uber« legung der Hand auf die gedruckten Bücher MosiS und mit bedechtemHaupt e geleistet werden, in der, von Schreiber dieses damals abgefaßten, dem Minister überreichten obenerwähnten Abhandlung, auf ausdrückliches Verlangen der geistlichen Mitglieder, in Betracht der Bedeckung des Hauptes, es noch besonders, wie folgt hieß : ״(weil der Israelit noch gewohnt ist, mit bedecktem Haupte zu beten.)" Man ersieht hieraus zugleich, daß diese gelehrten frommen Rabbiner das Beten mit. unbedecktem Haupte keineswegs gerade als eine Sünde, sondern nur als eine n och übliche Gewohnheit betrachteten, die sie indeß, beiläufig bemerkt, weder persönlich ablegten, noch bei Andern stören, oder, wenn auch z. B. in der israelitischen Schule Ln Kassel beim hebräischon Unterrichte, doch Mt in ihrer Zeit im Gotteshause abschaffen wollten. Daß es MK eine morgenländische Sitte ist, indem man es im Morgenlands unschicklich und oft strafbar finden würde, wenn Jemand unbedrckten Hauptes bei einem bedeutenden Manne, oder gar bei einem Großen des Reiches erschiene, welches in ünfern Ländern gerade umgekehrt der Fall wäre,, bedarf wohl nicht erst hier erörtert zu werden. Schon der berühmte fromme Rabbi Salomon Loria, welcher im 16, Jahrhunderte lebte, (er.starb im Jahre 1583,) hatte in feiner Korrespondenz, Ab- Handlung 72, wie bekannt, erklärt, daß mit bedecktem Haupte in der Synagoge zu stin, kein bestimmtes talmudifckeS Gesetz, sondern nur eine Gewohnheit der Frommen מנהג) sei, und seine weiter sehr begründete Beantwortung beginnt mit dev Worten : ♦ אין אבי יודע איסור לברך כלא כסוי רא^/ וידו M weiß ׳״ י י kein Verbot (Unerlaubtes.) daß man mit unbedecktem Haupte nicht Gott loben dürfe. Gewohnheit und die gewöhnlichen Ansichten im Volke gleichsam samtjonirte Gebrauch, in der Synagoge mit bedecktem Haupte zu erscheinen, dürfte Lnheß schwerlich so leicht abgeschafft werden können, ohne unnützen Streit ( Haß und Zank bei den Strenggläubigen und Cynservativen zu erregen, und nicht ohne sonst der guten und heiligen Sache zu schaden, und es möge demnach füglich als etwas Elgenthümliches fortbestehen, wie es doch auch selbst bei gewissen geschloffenen, meist aus Christen bestehenden, Gesellschaften bei gewissen Vorträgen tbeilwcise noch