Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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diren und unentgeltliche Belehrung, während seine Gattin mittels eines kleinen Kleinhandels die Erfordernisse eines bescheidenen Haushalts erwarb. Eidlitz kannte recht gut die reichen Quellen, welche seine Gelehrsamkeit ihm öffnen könnte. Aber er lehnte jede Belohnung ab, weil eS unvereinbar mit dem Worte des Weisen: „Wer sein Pfund solchergestalt mißbraucht, der soll verworfen werden/? Im Fortgänge der Zeit wurden die Umstände des gelehrten Mannes immer drückender und es kam dahin, daß er sich viele Bequemlichkeiten und oft die nothwendigsten Bedürfnisse versagen mußte, Dessenungeachtet hielt er aus und verschwieg seine Armuth , damit, wenn sie bekannt würde, es nicht aussähe, wie ein leiser Anspruch auf Unterstützung. Zu selbiger Zeit besuchte ihn eines Tages ein alter Freund, der Rubbiner Israel Frankel, *) Vorsteher der Prager Gemeinde und im vertrauten Gespräche entdeckte ihm Eidlitz seine wahre Lage. Als Beide nachher sich wieder sahen, machte Frankel auf die zarteste Weise Eidlitzen ein Gelbanerbieten, das dieser jedoch schlechterdings nicht annahm. „Wohl, versetzte Frankel, „Du weißt, daß Gott mich mit Reichthum gesegnet hat, daß ich aber in Folge meiner zeitlichen Stellung die Befähigung hienieden nicht erlangen kann, die dem Studium des Rechts gebührt. Willst Du also diese Kleinigkeit schlechterdings nicht annehmen, werde ich sagen, Du thuest es aus Neid, damit ich durch meine Handlung mir nicht einen Anspruch , auf, die Befähigung im künftigen Leben erkaufe." Diese Aeußerung hatte den gewünschten Erfolg, aus Rücksicht für das Gefühl seines Freundes nabm Eidlitz die Gabe an. Die Zeit verrann, die Freunde sahen sich oft, aber, wie leicht zu denken, der Gegenstand wurde nie wieder berührt. Nach einigen Jahren erkrankte Eidlitz und starb. Wie seine Amtspflicht es heischte, begab sich Frankel in die Wohnung des Gestorbenen, den Nachlaß zu verzeichnen. Doch war das eine bloße Förmlichkeit, denn er wußte, wie arm Eidlitz gestorben. Im Studirzimmer des Geschiedenen stand eine Kiste, worin Manuscript und andere Sachen, welche der Eigenthümer von Werth geglaubt und so heilig gehalten, daß er wahrend seine- Lebens den Schlüssel nie *) Unsere- Wissens war dieser reiche, angesehene Mann, der noch vor 56 und etlichen Jahren lebte, kein Rabbiner oder Geistlicher, sondern sogenannter Prima- oder Ober-Aeltester der jüdischen Gemeinde in Prag und hieß nicht Frankel, sondern Fränkel. D. H.