Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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wmmmm m 65 „Juden - Emancipation" geschrieben, welches komisch genannt werden könnte, wenn «S nicht zugleich — bei angestellter näherer Betrachtung darüber — etwas tragisch wäre. Nachdem der Verfasser nämlich in der Einleitung so lieblich thut und sagt: „Die Juden sind ein altes, merkwürdiges Volk, ihre Geschichte macht «inen Theil unserer heiligen Schrift aus; Vieles haben wir von ihnen angenommen," und nachdem er hinzufügt, daß der Stifter der christlichen Religion „aus diesem Volke entsprossen ist," meint er zwar, daß man mit jenen Menschenfreun» den, die die Emancipation der Juden wiederholt vorgeschlagen Haben, den Juden herzlich alles Gute wünschen und erweisen sollte; aber - nun kommt die Aengstlichkeit, die Furcht vor Gespenstern — „aber die vollen Recht« der christlichen StaatSbewohner können wir (Christen) ihnen jetzt noch nichtzugestehen," heißt es dann weiter, — Gott bewahre denn wenn auch einige (!), so passen doch di« meisten der Juden noch nicht in unser Staatsgebäude , sie müssen erst dazu vorbereitet werden. (Wo mag denn wohl der Vers, wohnen; er wird wohl nur größtentheils irgend einzelne Haustrend« Packenträger aus irgend einer bedrückten kleinen jüdischen Landgemeinde oder ähnliche kennen, bei deren Erscheinen christliche Eltern ihren kleinen Kindern zuzurufen pflegen: Sehet ihr, das ist ein Jude, wenn ihr nicht artig seid, so hole ich ihn immer. Aber auch diese Art würde längst größtentheils anders sein, wenn man sie schon seit 40 bis 50 Jahren eMancipirt hätte. — So aber hört man leider seit mehr als fünf Jahrzehnten immer di« alte Leier anstimmen: „die Juden müssen sich erst selbst dazu heranbilden und sich zu Staatsbürgern fähig machen." Dieses ist indeß nur immer der elende Vorwand, um die Sache abzuwenden und den Juden nicht gleiche staatsbürgerlich« Rechte mit den Christen zu geben. Durch solchen immerwährenden Aufschub glaubt man die Sache abgemacht zu haben, daß nämlich sie nie realisirt werde. Zu bewundern ist es nur, daß solche Verfasser, was doch billigerweise geschehen müßte, nicht, ehe sie so in's Blaue hineinschreiben, die Schriften kennen lernen , in welchen längst diese Dinge abgrhandelt und in denen fast bis zum Ueberdrusse Ansichten der Art, wie sie der Verfasser hat, gründlich widerlegt sind. Ist es doch gerade, als pb Jemand aus Spanien oder Norwegen, wo keine Juden wohnen dürfen und wo man sie nicht kennt, über ein solches Thema schreibe, wenn man so etwas in Deutschland zu Gesichte bekommt, in Deutschland, wo sich ein solcher Verfasser nur in solchen Ländern deshalb zu t.V.Jal>ra. t.Bd. I. Heft. 5