Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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66 orientiren braucht, in denen die Juden bereits, $. 85, in Kürbissen, emancipirt sind.) Außerdem, daß der Verfasser die deutschen Juden „Fremdlinge" zu nennen beliebt, meint der gute Mann auch noch: „daß, da sie nicht mehr wie früher verfolgt, verspottet und gedrückt werden , so wird es die Bessern unter ihnen, nachdem der Staat' für ihre geistige Ausbildung mit christlicher Milde sorgen wird, zu dem Bestreben ermuntern, die Acbtungunddas Vertraue» derChristendurchihr moralisches Betragen zu erwerben (also aus bloßer Dankbarkeit, weil sie nicht mehr „verfolgt, verspottet und gedrückt" werden, werden sie sich solchergestalt bestreben); aber — man höre weiter — aber „solche kleine Zahl von Fremdlingen muß nicht verlangen, daß man ihnen entgegenkomme und ihnen Vortheile, die mancher christliche Staatsbürger nicht hat st), entgegen tragen und sie ihnen für nichts anbieten soll;" (Du lieber Himmel! wo in aller Welt haben denn die Juden jemals so Ettvas verlangt?) denn, (!) so lange sie nicht aufhören hartnäckig auf ihrem Judenthume zu beharren, so lange sind sie untauglich, st!) deutsche Staatsbürger zu werden." Wie charmant logisch der Mann, ohne es zu erweisen, die Sache kurz abzufertigen versteht! Aber die Juden, sie sind doch nun einmal, außer in Frankreich, Holland, Belgien, England, langst, z. B. auch in Preußen, zu ihrem und des Vtaats Besten, schon seit 33 Jahren Staatsbürger; das sollte doch der Verfasser wissen, wodurch ja seine höchst sonderbare Behauptung praktisch widerlegt ist. — Doch freilich, man sieht, wo der Mann hinaus will; „wenn sie nur nicht bei ihrem Judenthum beharren möchten, sagt er — — wäre dieß nicht der Fall — dann, ja dann könnten alle diese zum Staatsbürgerrechte von ihm sogenannten Unfähigen , auch außer den „einigen" Gebildeteren, so fort Staalsbürgerrecht« erhalten — aus christlicher Liebe und Gerechtigkeit. Doch genug, und wohl schon zu viel von einer solchen Skrjbelei. *) *) Dagegen enthält die No. 531 (vom 5. Dec. 1844) einen sehr gut gemeinten. Aussatz (unterzeichnet: E.) über diesen Gegenstand, betitelt: „Ein Urtheil über die Juden, das wohl zu beachten ist." Jrrthümlich ist indeß di« darin aus wohlmeinendem Eifer geschehene Anführung mehrerer berühmten Männer, die Juden sein sollten» aber keine sind^ Der Jrrthum rührt wohl aus dem Roman des Engländers D'Jsraeli her; ebendaher auch wohl di« durchaus unerwiesene und sonderbare Behauptung, daß die ersten Jesuiten Jude« waren.