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Sulamith · 1845-01-01 · Heft 1 · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
9 (1845-1848)
Issue
Heft 1
Date
1845-01-01
Page
Seite 63 (sequence 63)
Language
German
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63 bloß durch daS Eigenthümliche ihrer Sitten, Gewohnheiten, Costume und Wohnungen eine eigene kleine Stadt in der großen bilden, sondern auch unter sich selbst in mehrere (?) ziemlich scbarf geschiedene Gemeinden zerfallen. Die spanische Grandezza der Einen, die orientalische, also der ursprünglichen Heimath des ganzen Israel näher stehende Abstammung der türkischen und palästinäischen Flüchtlinge, die höhere geistige Bildungendlich, welche alle diese sogenannten Sephard im d. h. die spanischen, portugiesischen, südfranzösischen und levantischen Juden vor den deutschen Religionsgenoffen des Mittelalters voraus hatten, — dies zusammen hat anfangs eine Sonderung in mehrern Gemeinden, die sich zudem auch durch klein e rituelle Verschiedenheiten von einander unterscheiden, nothwendig gemacht, eine Sonderung, die sich bis auf die neueste Zeit^ erhalten hat, die jedoch da , wo die Gesammtheit der jüdischen Bevölkerungin Anspruch genommen wird, wegfallt. Am interessantesten ist ein Besuch im Judenviertel am Samstag (Sonnabend). Die jüdische Bevölkerung Amsterdams beobachtet noch streng den mosaischen Sabbath und es ist daher die feierliche Stille, die in diesem Stadttheile herrscht, ein seltsamer Gegensatz zu dem geräuschvollen Gewühle der andern, deren Bevölkerung eben ihr mühsames Wochenwerk zu Ende zu bringen sich bemüht. Umgekehrt dagegen beginnt die neue Lebensthätigkeit der Judenstadt, während die andern Stadtviertel sich der Ruhe des Festtags hingeben." (Grenzboten.); In der Schweiz, wo jetzt Christen ihre Mitchristen wegen Glaubensmeinungen verfolgen , ist es freilich um so weniger auffallend, daß es nun auch gegen das schwache Häuflein Israel, dem es an Annehmern fehlt, geschieht, so weit eS möglich ist. In Graubündten hat yämlich der kleine (ja wohl, der kleine!) Rath zu Chur , trotz aller Vorstellungen der Betheiligten, be. fohlen , daß die dortigen Juden auswandern sollen. Nur bei Einem derselben, einem französischen Israeliten, welcher dort ein Bergwerk besitzt, gelang ihnen diese Grausamkeit nicht, weil sich derselbe an den französischen Gesandten wandte und dieser, dem hochwohllöblichen kleinen Rath erklärte, daß, wenn der gedachte französische Unterthan Graubündten verlassen müßte, alle in Paris befindlichen Graubündtner diese Stadt binnen 14 Tagen verlassen sollten. Dieses wirkte für den Einen Beschützten, wett er kein — deutscher Israelit ist. —

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