Mannheim
Compact Memory

Sulamith · 1845-01-01 · Heft 1 · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
9 (1845-1848)
Issue
Heft 1
Date
1845-01-01
Page
Seite 62 (sequence 62)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2304627-2304652-2304653--10008-2304748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

' . 62 ' tritten mehrerer Fabrikarbeiter, welche kürzlich in Berlin Statt fanden und die durch das Verlangen eines höhern Arbeitslohnes entstanden, von keinem der Arbeiter oas Wort: .„Juden" erwähnen hörte, obwohl mehrere der Fabrikanten, gegen die das Verlangen gerichtet war, Juden sind. D. H.) Etwas über die Juden in Amsterdam. — — „Obschon mit allen andern Bewohnern der Stadt völlig gleichberechtigt, obgleich also im Stande, an jedem beliebigen Theile derselben ihre Wohnung aufzuschlagen, wohnt dennoch die überwiegende Mehrzahl der Amsterdamer Juden, die bekanntlich den zehnten Theil der Gesammt-Bevölkerung Amsterdams bilden, in einem eigenen Stadtviertel. Es hat dieses seinen Grund aber nicht etwa in einer Absonderungssucht,. sondern nur darin , daß die meisten jüdischen Hauser sich von Geschlecht zu. Geschlecht vererbt haben und ihrensind, was den Adeligen ein Stammschloß, d. h. ein Ort, an dem alle Erinnerungen ihrer Familie Jahrhunderte lang haften und der somit etwas Historisch- Ehrwürdiges erlangt hat, wie denn auch die Amsterdamer jüdische Bevölkerung überhaupt eine sehr alte und ehrwürdige Geschichte hat. Ihre Anwesenheit datirt, gleich der ihrer meisten Glaubensgenossen in den übrigen holländischen Städten, aus der Zeit der spanischen, französischen, deutschen und orientalischen Verfolgungen; sie sind also seit Jahrhunderten Bürger und das wackere und thätige Bürger des Staates , der ihnen am ersten in Europa Religionsfreiheit und ungestörten Genuß der Bürgerrechte zugestanden hat, der ihnen aber auch dafür einen gar großen Theit seines Wohlstandes durch Handel und Industrie verdankt. Gar mancher spanische und portugiesische Granden-Name wird nur von jüngern Zweigen der Familie getragen und rührt von Kindern her, die zu Zeiten Ferdinands und Jsabella's ihren Eltern entrissen und gewaltsam zum Katholicismus bekehrt worden , während die wahre Stammfamilie nach Holland entflohen und ihr Repräsentant jetzt in Amsterdam vielleicht irgend ein reiches Banqüierhaus oder Vorsteher einer großen Fabrik oder auch wohl (als Jude) Regerungsbeamter ist. Dieser fremdartige Ursprung der Meisten holländischen Juden und der auf religiösen, also nur jedes einzelne Individuum betreffenden Gründen beruhende Umstand, daß die Verschwägerungen und Verheirathungen sich auf den engern Kreis der Stammgenossen beschränken, ist die Ursache davon, daß die Amsterdamer Juden nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.