Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Bei dem höchst feierlichen Empfange, welchen die Bewohner Berlins Sr. Maj. dem Könige und Ihrer Maj. der Königin bei Allerhöchstderen Rückkehr nach Berlin, nach dem abscheulichen Attentate am 26. Juli 1844, so herzlich bereiteten, erschienen bekanntlich auch zwei Rabbiner, als Vertreter der jüdischen Gemeinde, unter den Deputationen der Geistlichkeit. Die „Grenzboten" enthalten nun darüber folgende Stellen : „Welches Gefühl von rechtlicher Gleichheit im Berliner Volke lebt, beweist nachstehende Anekdote, für deren Wahrheit, ich einstehen kann , und die dasselbe von dem Volke anderer Städte Deutschlands , namentlich Prags , Breslau's rc. gewiß zu seiner Ehre unterscheidet. Der Magistrat- und die Stadtverordneten hatten nämlich einen großen Zug vom Kölnischen Rathhause nach dem Schlosse veranstaltet. An der Spitze des Zuges befand sich, von Marschällen geleitet, die gesammte Geistlichkeit Berlins , zuerst die evangelische, dann die französi'sch-reformirte und alsdann die katholische, immer paarweise; hinter den katholischen Kaplänen gingen zum ersten Male bei solcher Gelegenheit auch zwei Rabbiner, als Vertreter der jüdischen Gemeinde , worauf dann erst die Gymnasiendirektoren, der Oberbürgermeister die Stadträthe und die Stadtverordneten folgten. DaS Volk, als es die Männer mit den schwarztuchenen Talaren und breiten runden Hüten kommen sah, rief sich zuerst etwas verwundert zu: „Die Juden! -seht, die Juden!" Aber bald darauf Hörte man auch von vielen Seiten: „Das ist ganz recht! Gleichheit muß sein! sehr schön!" Und als demnächst eine Deputation der gesammten Geistlichkeit, denen des Magistrats und der Stadtverordneten sich anschließend, zum Könige hinauf geschickt wurde, erschienen mehrere Stadtverordnete und forderten im Namen derselben einen der Rabbiner (den ersten Rabbiner und Rabbinats - Verwalter Herrn I. I. O et ti n ge r) auf, den deputirten Geistlichen ebenfalls beizutreten, was dann auch geschah und worauf dieser Rabbiner, eben so wie die übrigen Deputationen, von dem Könige zur TaH-l. gezogen wurde. Es ist bei dieser Gelegenheit die Bemerkung^ gemacht worden, daß seit dem sechszehnten Jahrhundert in Berlin keine Pöbelexcesse gegen die Juden vorgekommen seien. Selbst im Jahre 1819, als fast in ganz Deutschland das verrufene Hepp, Hepp! erscholl, hat sich Berlin von diesen Verdunkelungen der Bildung unserer Zeit völlig frei erhalten." (Eine politische Zeitung machte auch neulich die richtige Bemerkung, daß nämlich im Gegensätze zu Prag, bei öen Auf-