Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 475

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 475 (sequence 157)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293076--11321-2304623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bücherbesprechungen 475 Ludwig Freund, Am Ende der Philosophie. Verlag Emst Reinhardt, München 19 30. „Am Ende der Philosophie“! Das heißt nicht, daß die Philosophie, mag ihr gegenwärtiger Zustand auch trostlos sein, nunmehr endgiltig zu Grabe getragen werden sollte. Durchaus nicht. Aber Freund, übrigens ein Schüler Drieschs, untersucht die Gründe der Krankheit der Philosophie wie ein hellsichtiger Arzt: er findet sie in den vielfachen Ueberschreitungen ihrer wahrhaften Aufgaben, ihrer natürlichen Grenzen, wie sie Kant, der große einmalige Erkenntniskritiker, in seinem monumentalen Werk festgestellt hat. Darum wendet sich Fr. mit Energie gegen den unbezähmbaren Ehrgeiz derjenigen, die mit dem Zielwort „Hinaus über Kant!“ in Wahrheit vor Kant zurückrücken, da sie die Grenzen der Philosophie nicht sehen, und ihre Aufgaben nach der oder jener Seite hin erweitern wollen. Fr.s Arbeit macht daher die alte Frage nach der wahren Aufgabe der Philosophie, und zwar unter streng kritischer Beobachtung ihrer Grenzen im Geiste Kants, zum Hauptinhalt seines Buches. Nach einer ausführlichen Behandlung des Sinnes und der Möglichkeiten der Definition kommt er zu dem Satz, daß alles Definitionsbedürftige Gegenstand der Philosophie sein kann; die Wahrheit ist ihr Ziel. Aber miit den Mitteln des menschlichen Verstandes können wir immer nur versuchen, ihr in Definition so nahe zu kommen wie nur möglich: erreichen werden wir sie ni<e. Denn immer neue geistige Konstellationen in den Wissenschaften stellen immer aufs Neue Definitionsbedürftiges heraus. Daraus ergibt sich, daß die Aufgabe der Philosophie unendlich ist. Aber auch wissenschaftsferne Begriffe — die der Ethik, Aesthetik und Metaphysik —. zieht -sie in ihren Bereich. Hier freilich kann sie nur Probleme aufzeigen: das Problematische selbst kann keine Lösung finden. Hier fallen daher die Entscheidungen der Menschen lediglich nach „Glaubensurteilen“. äm dieser Stelle gewinnen nun die logischen Untersuchungen FLs für den religiös eingestellten Menschen ein höchstes Interesse. Denn er zeigt im Kapitel „Philosophie und Mystik“, daß es Sache der individuellen Einstellung und Veranlagung ist, ob das „Glauben“ sich! nur an den Erfahrungsstoff anklammert, oder ob es das logisch Mögliche als mehr oder weniger wesenhaft erkennt. Beide Typen aber — Empiriker und Metaphysiker — sind letztlich in allen großen Problemen des Lebens auf das „Glauben“ angewiesen. Meist lehnt der einseitige Empiriker mystisches Denken jeder Art völlig ab. Diesen Fehler verwirft Fr., obgleich er selbst als kritischer Philosoph durchaus dahin neigt — und das ist eine ganz große Denkleistung, wenn auch deutlifchi in den Spuren Kants erworben. „Mjan kann Gottesnähe nicht mit dein Verstand ermitteln,“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.