Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 453 (sequence 135)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik 453 denn hier ist ein regelmäßiger Wechsel der Arbeitsplätze schlechthin undurchführbar. Man sieht eben, die ein* zelnen Wirtschaftszweige müssen differenziert behandelt werden. Einem Wirtschaftszweige muß aber unter allen Um> ständen eine Ausnahmestellung zuerkannt werden, das ist die Landwirtschaft, in der die Arbeitszeit schon immer nach besonderen Gesichtspunkten geregelt worden ist. Die landwirtschaftliche Arbeit, an natürliche Bedingungen gebunden, ist das Gegenstück zur industriellen Tätigkeit, die der Mensch nach eigenem Willen gestaltet, und so sind hier die Voraussetzungen für die Regelung der Arbeitszeit grundsätzlich anders gelagert. Im übrigen läßt auch der Umstand, daß es sich bei ersterer zu einem guten Teil um Saisonarbeit handelt, und auch das Mo* ment, daß die Arbeit in der Natur gesünder ist als in der Fabrik, eine längere Ausdehnung der landwirtschaftlichen Arbeitszeit als gerechtfertigt erscheinen. Daß auch das Verkehrswesen eine Sonderstellung ein* nimmt, ist wohl selbstverständlich. Hier kann ja nicht einmal die Sonntagsruhe durchgeführt werden. Nach alledem scheint es wohl möglich, daß im weiteren Verlauf der Wirtschaft* liehen undsozialpolitischen Entwicklung die industrielle Produktion auf fünf Tage in der Woche beschränkt wird,und es ist darüber hinaus denkbar, daß der Bürover? kehr nicht nur am Sonntag, sondern auch am Sonnabend ruht, aber es ist nicht anzu* nehmen, daß jemals das gesamte Wirt* schaftsleben in allen seinen Zweigennoch für einen zweiten Tag der Woche stillge* legt werden wird. Das leuchtet auch unschwer ein, wenn man sich ver* gegenwärtigt, welch ungeheure Schwierigkeiten allein die