Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 448

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 448 (sequence 130)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293076--11294-2304596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

448 Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik woche bestimmt —, ist durchaus unbegründet. Die russische Arbeitsordnung läßt sich überhaupt nicht so ohne weiteres auf ein anderes Land übertragen; denn ist auch das Mehrschichtensystem allerorts anzutreffen, so handelt es sich doch nur um einzelne industrielle Be? triebe, die ihm unterliegen, im allgemeinen aber hat der stete Wechsel der Arbeitsplätze sein Bedenkliches. Und erst recht die Nachtarbeit, die im System der „Ununter? brochenen Produktion“ eine so hervorragende Stellung einnimmt! Man kann sie wohl als Ausnahmeerscheinung hinnehmen — wenngleich die Arbeit des Nachts weniger ergiebig ist als am Tage —, daß aber fünfzig Prozent aller Industriearbeiter nachts arbeiten sollen, das ist alles andere als ein sozialer Fortschritt. Man vergegenwärtige sich, wie ein solcher Zustand sich auf die Lebensweise eines Volkes auswirkt! Man bedenke den Einfluß auf das Familienleben! Vater arbeitet nachts, Mutter muß morgens an die Arbeit, womöglich noch bevor die Kleinen sich auf den Schulweg machen, und die erwachsenen Kinder müssen vielleicht nachmittags in der Fabrik antreten. Wie ist da noch eine Familiengemeinschaft möglich? Völlig unerträglich aber wird ein solcher Zustand, wenn er nicht wenigstens einmal in der Woche unterbrochen wird. Ein Ruhetag, der nicht allgemein gilt, bleibt notwendigerweise etwas Halbes. Wenn der Mann am Montag feiert, die Frau am Mittwoch und die Kinder wiederum an anderen Ta? gen, — selbst Schulen läßt man in Rußland nach dem Fünftagesystem arbeiten! — was hat dann der Arbeiter noch von seinem Feiertage? „Das Leben der Arbeiter? familie ist aus den Fugen gehoben. Es wird zwar immer wieder offiziell betont, daß bei der Verteilung der Ruhetage auf die Bedürfnisse der Arbeiterfamilie möglichst Rücksicht genommen werden muß, damit möglichst alle Mitglieder der Familie zu gleicher Zeit feiern können. Da? von ist aber so gut wie nichts zu merken, und bei der Buntscheckigkeit der Arbeitszeitregelung können diese

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.