Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 444

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 444 (sequence 126)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293076--11290-2304592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

444 Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik doch erst in einem kleinen Kreise als allgemeines Prim zip anerkannt ist. Es ist charakteristisch, daß selbst der Internationale Gewerkschaftsbund noch im Frühjahr 1930 entgegen dem Verlangen der amerikanischen Arbeiterschaft erklärte, daß die Fünftagewoche noch ein fernes Ziel sei, und daß es zur Zeit vor allem darauf ankomme, die unbedingte Anerkennung des Achtstundentages sicher zu stellen und seine vielfachen Durchbrechungen und Umgehung zu unterbinden. So durfte man bis vor kurzem noch zweifeln, ob die europäischen Gewerk* schäften nicht auch weiterhin den Arbeitszeitkampf in dem traditionellen Sinne der kontinuierlichen Herab* Setzung der & täglichen Arbeitszeit führen und anstelle der verkürzten Arbeitswoche früher oder später den Siebenstundentag propagieren würden, der ja schon heute in Rußland eine wesentliche Rolle spielt. Nachdem aber einmal die Fünftagewoche, wenn auch nur vorüber* gehend, in größerem Umfange bei uns verwirklicht ist, wird sie leicht in den Herzen der europäischen Arbeiter Wurzel fassen, und so mag die aus der Not der Zeit geborene Einrichtung dem sozialpolitischen Kampfe kom* mender Jahrzehnte die Richtung weisen. Und noch Eines! Selbst wenn wir unterstellen, daß der größte Teil der Unternehmungen bei einer Besserung der Konjunktur zur alten Arbeitszeit zurückkehren würde, so könnte es sich doch in einzelnen Fällen als zweckmäßig erweisen, nachdem sich nun einmal der Betrieb auf die kür* zere Arbeitswoche eingestellt hat, diese beizubehalten und zu einer bleibenden Einrichtung auszugestalten. Des* halb brauchte man sich noch nicht auf die Dauer mit 40 Arbeitsstunden in der Woche zu begnügen — das dürfte auch schwer fallen, wenn überall wieder volle 48 Stunden gearbeitet wird —, aber es wird wohl vielfach möglich sein, bei einer Arbeitszeit von 44 oder 45 Wochen* stunden unter dem Einfluß der oben ausführlich gewür* digten Faktoren ebenso gute und unter Umständen noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.