Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 443 (sequence 125)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik 443 Gewerkschaftspolitik einreiht, die von jeher auf eine kon* tinuierliche Herabsetzung der Arbeitszeit gerichtet war. Es ist ferner zu bedenken, daß der Widerstand der Arbeiter gegen eine längere Arbeitszeit erstarkt, wenn sie einmal die Süßigkeit einer kürzeren Arbeitszeit gekostet haben, und es ist letztlich darauf aufmerksam zu machen, daß die Aufrechterhaltung einer einmal getroffenen Arbeitszeitkürzung leichter zu erkämpfen ist, als eine prinzipielle Neueinführung. Dem steht aber gegenüber, daß die Arbeitszeitkürzung unter den gegenwärtigen Um* ständen dem einzelnen Arbeiter einen nicht unwesentli* chen Teil seines Lohnes entzieht, und wenngleich es den Gewerkschaften bei einem Umschlag der Konjunk* tur gelingen dürfte, die Löhne zu steigern, — Arbeitszeit* kürzung führt ja stets zu einer Verknappung des Arbeits* angebots, die die Position der Arbeiter im Lohnkampf begünstigt — sie würden gewiß ein höheres Einkommen erzielen, wenn sie zur alten Arbeitszeit zurückkehrten. Denn der letzte Bestimmungsgrund für die Lohnhöhe ist der Umfang der Produktion, und dieser wird durch die Fünftagewoche beeinträchtigt, sobald einmal die Arbeits* losigkeit beseitigt ist. Deshalb wird es den Arbeitern schwer fallen, die Arbeitszeitkürzung aufrecht zu erhalten. Ihr Einkommen ist nun einmal nicht so hoch, daß sie es sich leisten könnten, die Lohnfrage der Arbeitszeitfrage hintanzustellen, zumal mit der Ausdehnung der Freizeit die Lebensansprüche noch steigen. Dessen ungeachtet wird auch durch eine vorüberge* hende Maßnahme die auf die allgemeine und grundsätz* liehe Einführung der Fünftagewoche gerichtete Bewegung gefördert, und dies insbesondere aus folgendem Grunde: Die Arbeitszeitdebatte der letzten Jahrzehnte ging aus* schließlich um die Herabsetzung der täglichen Arbeits* zeit; daß man aber die Zahl der Arbeitst a g e über den Sonntag hinaus verringern könnte, ist ein ganz neuer Ge* danke, der zwar nicht mehr in der Luft schwebt, aber