Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 442

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 442 (sequence 124)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293076--11288-2304590
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

442 Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik folge der Technisierung und Rationalisierung der Wirt* schaft Arbeiter freigesetzt werden, so handelt es sich nur um Übergangserscheinungen. Letzten Endes aber muß jede wirtschaftliche Verbesserung die Arbeitsmöglich* keiten — in ihrer Totalität betrachtet! — erweitern, wie es Julius H i r s c h in einem Vortrage vor der Berliner In* dustrie* und Handelskammer treffend formuliert hat: „Jede technische Verbesserung bedeutet Ersparnis. Wirkt sie sich aus als Verbilligung, so setzt sie Kaufkraft frei beim Käufer. Wirkt sie sich aus als Kapitalbildung, so sucht sie nach Arbeitskraft, um das Kapital nutzbringend zu verwenden. Wie immer man es wenden mag, der tech* nische Fortschritt bedeutet nicht Verarmung, sondern Be* reicherung, bedeutet auf die Dauer nicht Arbeitslosigkeit, sondern Mehrarbeit/4 Die Arbeitslosenkrise ist, wie die Wirtschaftskrise überhaupt, eine vorübergehende Erscheinung. Die An* sicht, daß die Arbeitszeit für alle Zukunft herabgedrückt werden müsse, weil sonst für die Dauer mehr produziert würde, als der Konsum aufzunehmen imstande sei, ist ir* rig. Es gibt überhaupt keine Überproduktion in dem Sinne, daß ganz allgemein die Nachfrage nach Gütern mit dem Angebot nicht Schritt halten könne. Es gibt im Grunde nur eine partielle Überproduktion, ein Mißverhältnis zwischen einzelnen Produktionszweigen bzw. eine Einkommensgliederung oder Einkommenverwendung, die der Entfaltung der Produktivkräfte nicht entspricht. Da* raus aber können nur vorübergehende Störungen ent* stehen. / J1 Allein damit ist nur die Ansicht widerlegt, daß eine aus der Verlegenheit des Augenblicks geborene Arbeits* zeitkürzung notwendigerweise zu einer dauern* den Einrichtung werden muß. Ein anderes ist es, ob eine solche Entwicklung nicht möglich wäre. Da ist zunächst darauf hinzuweisen, daß sich der gegenwärtige Kampf um die Arbeitszeitkürzung in die allgemeine Linie der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.