Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 429 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik 429 sondern der Leistungsfähigkeit der Arbeiter entsprechend reguliert, und in dem Maße, in dem diese steigt, wird auch das Tempo des laufenden Bandes nach und nach beschleus nigt. Die Dinge können aber auch umgekehrt so liegen, daß ein im vorhinein übersteigertes Tempo nur deshalb auf die Dauer behauptet werden kann, weil eine nachträgliche Arbeitszeitkürzung der vorzeitigen Erschöpfung der Arbeiter vorbeugt. In diesem Falle wird der Zusammen* hang zwischen Arbeitszeit und Arbeitsleistung völlig ver* dunkelt. 2. So wenig die diversen Arbeitsarten auf eine For* mel gebracht werden können, so wenig die arbeitenden Menschen. Je nach Alter und Geschlecht ist das Arbeits* zeitoptimum verschieden, und wie der Mann eine längere Arbeitszeit verträgt als die Frau, der Erwachsene eine längere als der Jugendliche, so muß auch die Leistung der ersteren von einer Arbeitszeitkürzung in ganz ande* rem Maße betroffen werden als die der letzteren. Nicht minder bedeutsam sind die Unterschiede von Nation zu Nation wie auch von Land und Stadt und sogar innerhalb der selben Gruppe die individuellen Unterschiede von Mensch zu Mensch* 3. Ein besonderes individualisierendes Moment ist die Art der Freizeitverwendung; denn ob die Verlängerung der Freizeit wirklich einen wohltuenden Einfluß auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Arbeiters ausübt, hängt selbstverständlich davon ab, wie die Freizeit ver* bracht wird. Unter Umständen übernimmt gar der Ar* beiter für das Wochendende eine Nebenbeschäftigung, die den Charakter der Freizeit in das Gegenteil verkehrt. Andererseits liegt es nicht im Sinne der auf die Einfüh* rung der Fünftagewoche abzielenden Bestrebungen, daß sich der Arbeiter nun zwei Tage lang dem Vergnügen hingibt — auch dieses kann die Leistungsfähigkeit zum Schlechten beeinflußen —, und es ist ebenso wenig daran gedacht, daß nun etwa der Arbeiter zwei Feiertage halten