Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 424 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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424 Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik ziert. Denn die Dinge liegen ja nicht so, daß bei der Her* absetzung der Arbeitszeit um ein Sechstel oder, wenn wir annehmen, daß die Hälfte der Sonnabendstunden auf die verbleibenden Arbeitstage verteilt wird, um ein Zwölf* tel nun auch um ein Sechstel oder ein Zwölftel weniger geschafft würde, bezw. daß entsprechend mehr Arbeiter benötigt würden, um die Minderleistung auszugleichen. Es ist im Gegenteil schon behauptet worden, „daß die Arbeiter der Nationen mit kürzerer Arbeitszeit mehr leisten als diejenigen mit mehr Arbeitsstunden, und daß innerhalb derselben Nationen Arbeiter mit regel* mäßig kürzerem Arbeitstag die regelmäßig länger Arbeitenden übertreffen“ (Brentano). Aber auch dieser Satz, auf den sich die Arbeiter so oft berufen haben, um ihrer Forderung nach Arbeitszeitverkürzung Nachdruck zu verleihen, ist umstritten und in seiner All* gemeinheit unter den heutigen Bedingungen auch nicht haltbar, wie ja in der Tat die jüngsten Arbeitszeitkämpfe von dem entgegengesetzten Gedanken getragen sind, daß in der kürzeren Arbeitszeit weniger geleistet werde und daß demzufolge bei Einführung der 44* oder 40stündigen Arbeitswoche die im Verlaufe der Wirtschaftskrise stellenlos gewordenen Arbeiter in die Betriebe zurückgeholt werden müßten. Wir werden auf diesen Wider* Spruch, den die Arbeitgeber allzugern hervorkehren, noch zu sprechen kommen. Zunächst stellen wir nur fest, daß auf dem Worte „regelmäßig“ in dem zitierten Satz ent* scheidender Nachdruck liegt. Die Arbeitszeitverkürzung enthüllt erst nach längerer Dauer ihr wahres Gesicht, und so ist es sehr leicht möglich, daß sie als vorübergehende Maßnahme Folgen zeitigt, die ihr als dauernder Einrich* tung nicht anzuhaften brauchen. Nur in letzterer Eigen* schaft kann sie aber in diesem Zusammenhang inter* essieren. Auch in diesem Betracht haben wir freilich Be* denken, den Brentano’sehen Satz heute anzuwenden, aber wir lassen ihn in dem eingeschränkten Sinne gelten, daß