Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 421 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik 421 Fünftagebetrieben tätigen Arbeiter auf 500.000. Das isf führwahr eine bescheidene Zahl, wenn man sich den Um{.^ fang der amerikanischen Industrie vor Augen führt, aber, doch ein bedeutungsvoller Anfang, der überdies durch! die jüngste Entwicklung schon überholt ist. Anders sieht es in Europa aus. Hier kennen wir nur eine und zwar nicht sehr umfangreiche Industrie, in die Fünftagewoche prinzipiell und nicht nur vorüber* gehend Eingang gefunden hat: das ist die Dia* mantenindustrie, die, in Holland und Belgien konzentriert, sowohl in der Unternehmerschaft als auch in der Arbeiterschaft mit jüdischen Elementen außerordentlich stark durchsetzt ist. Auch hier war es das besondere Interesse der Schaumre Schabbos, das die Entwicklung forcierte, und welch’ beachtenswerte Rolle der jüdische Arbeiterverein „Betsalel“ hierbei gespielt hat, hat Herr Ascher* Amsterdam in seinem Referat über „Die Organisationstätigkeit der Schaumre Schabbos in Holland“ auf dem Sabbathweltkongreß rühmend hervor* gehoben. Daneben gibt es freilich in den verschiedensten Industrien einzelne jüdische Unternehmer, die ihre Werk* Stätten am Sabbath schließen. Da aber gerade die großen Unternehmungen in Gesellschaftsform gekleidet sind und auch viele orthodoxe Einzelunternehmer sich eines mehr oder minder formellen Gesellschaftsvertrages bedienen, um ihren Betrieb am Sabbath aufrecht erhalten zu können, so ist die Fünftagewoche des Schäumer Schabbos volks* wirtschaftlich von geringer Bedeutung. Nur in den Ostländern mit konzentrierten jüdischen Volksmassen ist sie volkswirtschaftlich von Belang, obwohl auch dort nur selten Großbetriebe zu finden sind, die am Sabbath voll* kommen stillgelegt werden. Doch außerhalb eines engen Kreises jüdischer Un* ternehmungen war die Fünftagewoche in Europa bis vor kurzem völlig unbekannt.*) Erst unter dem Eindruck *) Die Ford’schen Filialbetriebe, die ein mehr amerikanisches Gepräge zeigen, bilden eine Ausnahme,