Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 419 (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
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Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik 419 tung als auch was die Arbeiterschaft betrifft. E s i s t also ganz offenbar, daß die Beziehung zu der Erfüllung einer grundlegenden For* derung der jüdischen Religion ein ge* wichtiger Faktor im Vordringen der Fünf* tagewoche gewesen ist und wahrschein* lieh auch in Zukunft ihre Ausbreitung fördern wir d.“ Allein das religiöse Prinzip wird nur von einem klei* nen Kreise anerkannt, und so wesentlich jedes einzelne auch außerwirtschaftliche Motiv für eine noch in den Anfängen steckende Bewegung ist, die fünftägige Arbeits* woche als universelle Institution wird nur durchgesetzt, wenn wirtschaftliche, soziale und kulturelle Faktoren am Werke sind, die in die Richtung des Allgemeininteresses weisen. Solche scheinen in der Tat vorhanden zu sein. Da ist zunächst die physiologisch bedingte Steigerung in der Intensität der Arbeitsleistung, die man von einer x\rbeitszeitkürzung erwartet, ein Moment, das in dem Kampf um die Arbeitszeit und insbesondere auch um den Achtstundentag schon immer eine ausschlaggebende Rolle gespielt hat. Dazu kommt, daß in jeder Verbesse* rung der Arbeitsbedingungen ein sozialer Fortschritt er* blickt wird und speziell in der Ausdehnung der Freizeit ein kulturförderndes Moment, alles Fragen, die durchaus problematischer Natur sind und mit denen wir uns noch auseinandersetzen werden. Darüber hinaus kommt für den Einzelunternehmer, der, der allgemeinen Entwicklung vorauseilend, die Fünftagewoche von sich aus einführt, als privatwirtschaftlicher Gesichtspunkt das Streben in Betracht, durch besonders günstige Arbeitsbedingungen die fleißigsten und tüchtigsten Arbeiter an seinen Betrieb zu fesseln und sie zu Höchstleistungen anzustacheln, ein Moment, das in seiner Bedeutung selten gewürdigt wird, das aber, wie späterhin zu zeigen ist,. keineswegs unter* schätzt werden darf.