Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 416 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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416 Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik. Von Joseph Stern. Vorbemerkung. Das meist besprochene und dennoch ungelöste Prob* lern des Sabbathweltkongresses war die fünftägige Arbeits* woche. Es war sonderbar um sie bestellt. In der Eröffn nungsansprache des Vorsitzenden, des Seminardozenten Dr. Grünberg, war sie die Hoffnung, die dem um seine Existenz schwer ringenden Schäumer Schabbos neue Zuversicht bringen sollte, und in den Spezialreferaten der New Yorker Herren Dr. Drachman und Dr. Keller erschien sie gar, schon selbst kein Problem mehr, als d i e Lösung der Sabbathfrage schlechthin. Doch als der Kongreß zu Ende ging, hatte die Stimmung umgeschlagen. Es wurde vielfach bezweifelt, ob uns wirklich die neuen sozialreformerischen Bestrebungen befriedigende Vorteile brächten, oder ob sie uns vielmehr in Verbindung mit der Kalenderreform und der Gefahr eines wandernden Sabbaths zum Fluche werden könnten, und angesehene Rabbinen des Ostens fürchteten gar von einer zweitägigen Arbeitsruhe eine Trübung der Sabbathidee, die nur einen Ruhetag nach sechstägiger Arbeit kenne. So begnügte man sich am Ende mit einer bescheidenen Resolution, die nur soviel besagte, daß überall dort, wo die fünftägige Ar* beitswoche eingeführt werde, darauf hingewirkt werden müsse, daß einer der beiden Ruhetage der Sabbath sei. Aber daß man sich über die neue Institution als solche freue, daß man sie fördern wolle, davon wagte man nicht mehr zu sprechen. Man überließ alles Weitere einer vom Präsidium zu bildenden Kommission, die die ganze Ange* legenheit noch einmal gründlich durchberaten soll.