Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 389 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Anfänge von Hirschei Löbels Berliner Rabbinat 389 den Oberrabbiner durch Hinschleppung der übernommen nen Ausführung; nicht bloßzustellen. Ist aber überhaupt der ganze Vorgang denkbar? Der Oberrabbiner wird amtlich beauftragt, biblische und talmudische Ritualge* setze zu bearbeiten und beginnt damit gar nicht, sondern gibt die Arbeit an den Philosophen Mendelssohn weiter, „dem die Rechtsgelehrsamkeit niemals eigentlich sein Studium gewesen“! Wahr ist vielmehr, daß Hirschei Löbel zunächst die Müheverwaltung selber übernahm und er den „Aufsatz verfertigte“. Das bot für ihn, dem die Rechtsgelehrsam* keit das eigentliche Studium war, keine Schwierigkeit. Nur, weil es dem Vielbeschäftigten an Muße zur Aus* arbeitung fehlte, kamen die „Ritualgesetze“ langsam zu* stände. Der „Entwurf“ geschah in jüdisch * deutscher Sprache. Zur hochdeutschen Ausarbeitung und Feilung brauchte Hirschei einen Mitarbeiter. Wenn wir auch wissen, daß er den „Phädon zu Hause las und mit Boysen und Gleim sich hochdeutsch unterhielt 224, denoch hätten wir nicht angenommen, daß die endgültige Fassung der „Ritualgesetze“, wie sie in den Akten und im Druck vor* liegt, Hirschei Löbels alleiniges Werk gewesen ist. Nach dieser Richtung hin enthüllt uns also der Herausgeber nicht Neues. Wohl aber erfahren wir von ihm, wer dem Oberrabbiner Hülfe leistete. Ist auch die vom Heraus* geber erzählte Reihenfolge falsch, so hat es immerhin mit dem von Mendelssohn „verfertigten Aufsatz“ im gewissen Sinne seine Richtigkeit. Mendelssohns Verdienst ist es, Hirscheis Schrift 225 ins Hochdeutsche übertragen, er* gänzt, redigiert und eingeleitet zu haben. Daß Hirschei 224 Landshuth, S. 81. Auch nach dem „Vorberichte“ war Hirschei - Löbel imstande, den hochdeutschen Aufsatz Mendelssohns „sorgfältig“ durchzusehen. 225 Selbst der „Herausgeber“ kann nicht umhin, von der „Schrifft des Oberrabbiners“ zu sprechen. Durch Revision und Absendung allein ist das Werk nicht Hirschelis Schrift geworden.