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Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 346 (sequence 28)
Language
German
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346 Metaphysik und Religion Formen. Nicht also ist mit Cohen die Religion erst nach dem mythischen Stadium anzusetzen, sondern sie geht phänomenal und real*genetisch dem Mythos voraus. Sie ist eben nicht mythosdurchsetzte Sittlichkeit, sondern ihrem Ursinn nach die Entfaltung der Teilhabetendenz. Die eigentliche Objektivierung der religiösen Grund* empfindung vollzieht sich, wie C a s s i r e r darlegt, nicht im Bilde des Göttlichen, sondern im Kult. „Das Tun ist das Erste, woran die mythische Erklärung, der tspoc >,oyoc, sich erst nachträglich anschließt.“41 Eine Durchführung dieses Gesichtspunktes und seine Fruchtbarmachung für die Noetik der religiösen Handlung soll aber in diesem Zusammenhang nicht versucht werden.42 Es ergibt sich uns also eine prinzipielle Unterschied* lichkeit von Metaphysik und Religion sowohl dem Objekt wie der Intention nach. Die Metaphysik zielt auf eine Seinssphäre, die durch ihren phänomenalen Charakter der Relativierung verfallen muß. Ihre Absolutheitsintention muß als unerfüllbar gelten. Das Objekt des Erkennt* nisaktes it stets transzendentalistisch zu deuten. Die re* ligiöse Haltung hingegen ist keine Erkenntnisintention, sondern die in der Ehrfurcht sich vollziehende Enthüllung einer wesenhaft überphänomenalen, transzendenten Sphäre, auf die sich nicht der Akt des Erkennenwoilens, sondern der des Sehnens nach Teilhabe richtet. Ebenso wie sich nach Heidegger in der Angst das Nichts offenbart, enthüllt sich in der Ehrfurcht das Göttliche, aber nicht das Göttliche selbst, sondern bloß seine Re* alitätssphäre, in deren Richtung hernach der gestaltende Akt hineinruft. Von einer Mitrelativierung der Religion durch die erkenntnistheoretische Grenzbestimmung der 41 Ernst Cassirer, Philosophie der symbolischen Formen, Bd. II, S. 271; vgl. ferner S. 270, 271 ff.: dgl. Dilthey. Ges. Sehr., V. Bd. S. 382 ff. 42 In einer demnächst folgenden Arbeit des Verfassers über das „Sinnproblem der religiösen Handlung“ soll dies versucht werden,

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