Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 345 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Metaphysik und Religion 345 Menschlichsrelative und göttlich*absolute Realität und entfaltet ihre urtümlichste Gestaltungstendenz in der willensmäßigen Teilhabeintention. Religion ist nicht denkbar ohne den Zentralgedanken der Sicherung der Realität. Gewiß kann der Begriff der zu sichernden und zu erhöhenden Realität mannigfache Färbungen auf weisen. Von der rein physischen Existenz bis zur geistig*sittlichen Realität gibt es eine ganze Reihe von Zwischenstufen des Seins, deren absolute Realisierung im religiösen Gestalt tungsakt intendiert werden kann. Das aber muß als Grundgesetz des religiösen Bewußtseins gelten, daß in jedem Fall die Teilhabetendenz der Nerv des reli* giösen Erlebens ist, und daß diese Tendenz ihrem ge* nuinen Sinn nach eine Polarität von Realitäten voraus* setzt. Eine Haltung, die Gott nicht als Realität, sondern als bloßes transzendentales Ideal, sei es der Realität oder speziell der Sittlichkeit, also als bloße Idee der Realität auffaßt40, ist philosophisch, aber nicht ursprünglich religiös. Diese Einsicht in den primären Sinn alles Religiösen vermag auch in allein befriedigender Weise das weite und philosophisch bisher fast ganz vernachlässigte Gebiet der religiösen Kulthandlung zu beleuchten. Sie läßt mit zwin* gender Notwendigkeit die von der modernen Forschung erwiesene Tatsache des Primats des Kultus vor dem Mythos begreiflich erscheinen und weist so die einzig angemessene Richtung für eine Noetik der religiösen 40 Vgl. Hermann Cohen, Jüd. Schriften, C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin 1924, III. Band, S. 147 ff. Das Sein Gottes behält bei Cohen in allen Stadien seiner religionsphilosophischen Entwicklung den Sinn der bloßen Idee, die als Hypothesis logisch das Dasein und damit die Realität der Sittlichkeit garantiert. Trotz der scharfen Hervorkehrung der Einzigkeit Gottes im Sinne der überphänomenalen Unvergleichlichkeit ermangelt so Cohens Gottesbegriff des religiös Wesentlichen: des transzendenten Realitätscharakters, der erkenntnistheoretischen Absolutheit. •Vgl. Siegfried Ucko-,. Der Gottesbegriff in der Philosophie Hermann Cohens, Reuther & Reichard, Berlin 1929, S. 21, 37, 41—49.