Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 344 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Metaphysik und Religion fürchtigen Beziehung zum All-sein besagt diese Relativier rung — das Fundiertsein im Absoluten wird ja gewahrt —, sondern die Distanzierung von Weltsein und göttlichem Absolutsein. Neben die Korrelation „Nichts-Sein“ tritt die Korrelation des relativen und absoluten Seins, die er« lebte Beziehung zwischen Welt und Gott. Das erlebende Ich ist hierbei einbezogen in das Korrelationsglied „Welt“. Es ergibt sich also, daß das religiöse Bewußtsein des Ich die gesamte Welt des Erlebbaren mit Einschluß seines eigenen Selbst als distanziert gegenüber der Absolut« Sphäre erlebt. Hier nun ist die phänomenale Sinnkonstellation sicht« bar, auf deren Grund sich die spezifisch religiöse Inten« tion erhebt. Das Distanzerlebnis von Gott und Welt for« dert die Überbrückung des Abgrundes. Das menschliche Bewußtsein in der Durchdrungenheit von seiner Relativi« tät und Angewiesenheit auf das Absolute dehnt seine Sehnsucht über die Unendlichkeit der Transzendenz und spannt seine Intention auf lebendige Teilhabe am Ab« soluten. Der religiöse Mensch fragt nicht nach dem Wesen des ens per se, sondern will das Verbundensein mit dem Urgrund aller Realität. Diese Verbundenheit ist ihm die einzige und gänzliche Nichtung des Nichts, die Uberdeckung der Kontingenz und Haltlosigkeit seiner und aller Existenz. Die Angst wird hier nicht bloß zum Schweigen, sondern zur Befreiung und Lösung geführt. In der Teilhabe am Göttlichen wird so die Realität erst eigentlich zur Realität im Sinne eines Bleibenden, Bewußt« seinsunabhängigen. Gott hebt das Nichts auf undmachtes zurbloßen Negation. Vom Ab« soluten aus gesehen, gewinnt so Kants Konzeption des ens realissimum erst einen Sinn, niemals aber aus der pri« mär transzendentalistischen, von der empirischen Reali« tät ausgehenden und das Nichts leugnenden Betrachtungs« weise. Alle Religion wurzelt also im Korrelationserlebnis: