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Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 341 (sequence 23)
Language
German
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Metaphysik und Religion - 341 furcht weiß, daß das Gegebene, selbst wenn es seinem immanenten Gehalt nach ausgeschöpft wäre, dennoch nicht erschöpft wäre, weil es in einem Transzendenten, wesenhaft Geheimnisvollen verankert und verflochten ist. Ehrfurcht weist nicht in die Immanenz des Objekts, son« dern in die Richtung des Transzendenten, ohne dies Transzendente irgendwie ergreifen zu wollen. Jeder Ver* such, das Geheimnis brechen zu wollen, verstieße gegen die Ehrfurcht. So ergibt sich, daß die Ehrfurcht der po* lare Gegensatz des Staunens ist. Das Staunen blickt in die Welt des Bekannten zurück und sucht das Warum? aufzulösen, die Ehrfurcht schaut in eine höhere, transzen« dente Seinssphäre und läßt das Geheimnis unangetastet. Diese aktphänomenologischen Einsichten35 gilt es nun für das Problem des religiösen Gegenstandes auszuwerten. Der religiöse Grundakt enthüllt die Sphäre einer we* senhaft transzendenten absoluten Realität. Das dem Alb sein gegenüberstehende Bewußtsein, das der Idee nach die gesamte Seins« und Wertfülle, die „omnitudo reali« tatis“ umgreift, schreitet in der metaphysischen Haltung zur Absolutsetzung dieser Totalität, in der religiösen Ehrfurchtshaltung jedoch zur Transzendierung. Die Ehrfurcht lenkt den Blick in eine jeder Erlebbarkeit transzendente Sphäre, in der sie die Allheit des Seins verankert sieht. Diltheys bereits zitierte Gegenüberstellung des ,,gro« ßen Erlebnisses“ der religiösen Erfahrung und der meta« physischen Haltung der Gleichmütigkeit und „Freude an den weltlichen Lebensordnungen“ wird dem Besonderen der religiösen Ehrfurcht gegenüber dem metaphysischen Staunen annähernd gerecht. Damit haben wir den Sinn der im religiösen Akt in« tendierten Transzendenz gewonnen. Es ist eine Stufe 35 Vgl. die Deskription des Ehrfurcht-Phänomens bei Julius Goldstein, Ehrfurcht, eine Grundforderung des Judentums, „Der Morgen“ V„ S. 399 ff-, die gleichfalls das Moment des Geheimnisses als wesenhaft für den Gegenstand der Ehrfurcht herausstellt

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