Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 336 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293076--11144-2304484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
336 Metaphysik und Religion lebte Allheit ein. Die Distanzierung von Ich und Welt tritt erst auf späterer, psychologisch und sinnphänomeno* logisch sekundärer Stufe ein.29 Aus der Heidegger sehen Analyse ergeben sich also zwei wesentliche Signaturen der metaphysischen Haltung: 1. Die Absolutsetzung des Seienden, 2. die pri* märe Einssetzung des Ich mit dem absoluten All—sein. Die Erkenntnistheorie enthüllt zwar die Nichterfüll* barkeit der Absolutheitsintention, gleichwohl treibt die der metaphysischen Haltung immanente Zielrichtung auf das an sich Seiende immer neue metaphysische System* entwürfe hervor. Hier liegt auch der Grund der häufigen Verwechslungen von metaphysischer und religiöser Hab tung. Die Gleichsetzung des Maximums an Religion mit dem Maximum an Erkenntnis, die von Plato und Aristoteles ausgehend auch ursprünglich religiöse Naturen wie Maimonides in ihren Bann zog, die dann in Giordano Bruno und Spinoza, Goethe und Schelling das mehr rationale Element des dianoetischen Ideals zu Gunsten des emotionabkognitiven sublimierte, diese ge* samte auch unsere Gegenwart beherrschende Grundstim* mung der religiösen Verklärung des metaphysischen Er* kennens leiht ihre Gloriole von der jedem Wissensakt eigentümlichen Absolutheitsintention. Gleichwohl muß metaphysische und religiöse Haltung auf das schärfste unterschieden werden. Weder die Absolutsetzung des Seienden noch die Einssetzung des Ich mit dem Absoluten, die wir als Wesensmerkmale des homo metaphysicus herausgestellt haben, geschieht im religiösen Akt. Der Sinn des Absoluten nach seiner Sphärenbestimmung wie der Sinn der religiösen Intention ist ein grundanderer. 29 Vgl. Max Schelers bedeutsame Untersuchungen über das „fremde Ich“ in seinem Buche „Wesen und Formen der Sympathie“, Friedrich Cohen, Bonn 1926, S. 244 ff.