Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 334 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Metaphysik und Religion Uns scheint die hiermit gelieferte Deskription der metaphysischen Grundhaltung sowie die damit ver* knüpfte Sinnbestimmung der metaphysischen Transzen* denz von äußerst fruchtbarer Tragweite für die Lösung unseres Problems. Doch müssen wir hierzu das Ergebnis der Analyse noch schärfer fassen und zwei in ihm impli* zite enthaltene Momente deutlich heraussteilen. Dann erst wird sich eine Gegenüberstellung mit der religiösen Haltung als aufschlußreich erweisen. Die Entdeckung des Seins als Seins, die der metaphy* sische Blick vollzieht, geschieht in der Kategorie der All* heit. Heidegger betont diesen Charakter als einen für das Wesen der metaphysischen Haltung wesentlichen. Das All — sein wird als Sein zur Gegebenheit gebracht. Dieses phänomenal erlebte All—sein wird nun aber sogleich als das in sich seiende All-sein verabsolutiert. Dies geschieht vermöge der metaphysischen Haltung des Stau* nens. Der homo metaphysicus hat das Seiende qua Seiendes mit „Verwunderung“, mit „Staunen“ entdeckt. (Das fraofta^sty galt stets mit Recht als der Anfang des Philosophierens.) Dieses Staunen bedeutet, phänomenologisch betrachtet, eine rein passive Hinnahme des sich auf drängenden Verhalts mit dem Affekt der Verwunde* rung. Es bedeutet aber keinerlei Tendenzanlage zu einem Hinausgehen über das staunend Vorgefundene. Der Stau* nende nimmt den Tatbestand hin, er erlebt intensiv seine Faktizität, aber er transzendiert nicht weiter, er sucht das Faktum nicht ahnungsvoll aus einem Höheren zu be* greifen. Er stockt in seinem Staunen, er ist, wie die Sprache das Phänomen ausdrückt, „starr“ in seinem Hin* nehmen des Gebotenen. Er fragt zwar „Warum?“, aber diese Frage enthält nichts Schöpferisches, über den Hori* der „fundamentalsten Evidenzen“ Heideggers Analyse vorweggenommen. Sogar die Formulierung der obigen Frage findet sich fast gleichlautend schon bei Scheler. Vgl. Vom Ewigen im Menschen, S. ii2ff.