Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 332 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Metaphysik und Religion Nichts als des primärsten Phänomens auf gebaut.27 Es ge« schieht im Dasein des Menschen ein „Gestimmtsein, in dem er vor das Nichts selbst gebracht wird“, und zwar in der Grundstimmung der Angst. Angst ist nicht Furcht vor einem Bestimmten, sondern charakterisiert durch „wesenhafte Unmöglichkeit der Bestimmbarkeit“. „Im Ganzen ist einem so“, „ist es einem unheimlich“. Es ist ein „Wegrücken des Seienden im Ganzen, das uns in der Angst umdrängt, bedrängt“. „Die Angst offenbart das Nichts.“ Auf dem Grunde der ursprünglichen Offenbar« keit dieses Nichts ist erst das Phänomen des Daseins sichtbar. „Dasein heißt: Hineingehaltensein in das Nichts.“ „Das Nichts“ ist daher „die Ermöglichung der Offenbarkeit des Seienden als eines solchen für das menschliche Dasein.“ Heidegger sieht einen nahe« liegenden Ein wand voraus: Müßten wir nach der vor ge« tragenen Phänomenologie des Seins nicht eigentlich ständig in der Angst schweben, um überhaupt existieren zu können? Und die ursprüngliche Angst geschieht doch bloß in seltenen Augenblicken! Er entgegnet: Allerdings, das Nichts ist uns zumeist verstellt, aber es ist ständig um uns ausgebreitet und ständig um uns wirksam. Denn das ständige Nichten des Nichts ist es, das uns an das Seiende drängt, uns von ihm selbst aber abkehren läßt. Zeugnis hierfür ist der Akt der Verneinung, der zum Wesen des menschlichen Denkens gehört. Setzt nicht jedes Nein«Sagen ein Verneinbares voraus? „Wie soll aber ein Verneinbares und Zu«Verneinendes als ein Nichthaftes erblickt werden können, es sei denn so, daß alles Denken als solches auf das Nichts schon vorblickt?“ Bezeugt so breites schon die denkende Verneinung die Durchschütterung des Daseins vom Nich« ten des Nichts, so sind noch deutlichere Zeugen die nich« 27 Bemerkenswert ist die innerliche Berührung dieses Ausgangspunktes mit dem Fundamentalerlebnis der Realität des Todes bei FJranz Rosenzweig.