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Jeschurun · 1930-09-01 · Heft 9-12 (September 1930) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 9-12 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 326 (sequence 8)
Language
German
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326 Metaphysik und Religion phie. In feiner Analyse stellt er die „selbstsichere, religi* öse Erfahrung“ mit ihrem „großen Erlebnis“ jener anderen Lebenserfahrung gegenüber, „die alles innere Tun und Ver* halten gleichmäßig und gleichmütig zur Besonnenheit er* hebt“, die „ein ruhiges Gleichgewicht“ und „eine Freude an den weltlichen Lebensordnungen“11 in sich befaßt. Und hinsichtlich des Objekts sichert er die Eigenart der Religion, indem er ihr die „unbedingten unendlichen ge* genständlichen Werte“,11 das „Unsichtbare“12 als Gegen* stand des Erlebens zuweist. Trotz dieser Objektscheidung von Religion und Me* taphysik ist es unmöglich, Dilthey zu einem Krön* zeugen für die Möglichkeit einer religiösen Absolut* Sphäre zu stempeln. Denn die Welt des Unsichtbaren und unendlich Werthaften wird bei Dilthey in keiner Weise sinnphänomenologisch und philosophisch, sondern bloß psychologisch verankert. Von Schleiermacher herkommend,13 faßt er das religiöse Transzendenzbewußt* sein bloß als „Projektion des größten religiösen Erleb* nisses, in dem der Mensch die Independenz seines Willens vom ganzen Naturzusammenhang erfaßt“.14 Schleiermachers Begründung der Religion aus der psychischen Struktur des religiösen Erlebnisses wird also von Dilthey völlig übernommen. Die Relativität der Religion, die kraft ihrer gesonderten Objektsphäre be* reits überwindbar schien, ergibt sich von hier aus mit unvermeidbarer Konsequenz. Dazu kommt, daß Dil* t h e y als wesenhaftes Unterscheidungsmerkmal von Re* ligion und Philosophie den Gegensatz des Allgemeingül* tigen und Persönlichen einführt. Die Philosophie ist be* herrscht von „der positivistischen Forderung der All* 11 Ebenda, S. 390. 12 Ebenda, S. 381 ff. 13 Vgl. die Abhandlung Diltheys „Das Problem der Religion“ in Ges. Sehr., Bd. VI, S. 296 ff. 14 Band V, S. 390.

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