Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 324 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Metaphysik und Religion menologie läßt ihr ganzrcs Unternehmen als bedenklich und ^der kognitiven Geltung ermangelnd erscheinen.7 8 Charakteristisch ist, daß Scheler selbst beim abso* luten Ontologismus nicht stehen geblieben ist. Von der absoluten Gegenstandsmetaphysik, die schon in ihrem Keim die innere Unberechtigung trägt, ist er in der letzten Etappe seiner Wandlungen zu einer absoluten „Metan* thropologie und Aktmetaphysik“ übergeschwenkt. Der früher so radikal geleugnete Kantische Transzendental lismus ist damit in eigenartiger metaphysischer Verabsolutierung zur Anerkennung gelangt. In schärfstem Ge* gensatz zu seiner früheren Überzeugung konnte Scheler den Satz aufstellen: „Mit Recht lehrt er (sc. Kant): Alles gegenständliche Sein der Innen* wie Außenwelt ist zu* nächst auf den Menschen zu beziehen.448 Auf dem Grunde eines an Hegel gemahnenden Pantheismus wird nun die „transzendentale Schlußweise44 zur Methode einer absoluten Metaphysik, die aber in Wirklichkeit nur die Immanenz verabsolutiert. Es ergibt sich uns demnach: Das Möglichkeitsprob* lern einer absoluten Metaphysik ist strikte zu verneinen. Was die Metaphysik besten Falls erreichen kann, ist die Sicherung einer transzendenten Realität im Sinne eines Grenzbegriffs. Die kopernikanische Wendung wird sie nicht rückgängig machen können, ohne in seichten Intui* tionismus zu verfallen. Das wissenschaftliche Gewissen fordert den prinzipiellen Verzicht auf eine absolute Meta* physik. Der Diltheysche Relativismus hat an die Stelle der absolutistischen Bestrebungen zu treten. 7 Vgl. Heinrich Maier, Philosophie der Wirklichkeit, i. Teil, Wahrheit und Wirklichkeit, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1926, S. 57, 222 ff. 8 Max Scheler, Philosophische Weltanschauung, Friedrich Cohen, Bonn, 1929, S. 11.