Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 322 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293076--11130-2304470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
322 Metaphysik und' Religion gegen jede Art von absoluter Wert metaphysik gilt sein erkenntnistheoretischer Einwand: „Wir können den sub* jektiven und relativen Charakter der Wertbestimmung, der aus ihrem Ursprung im Gefühl stammt, nie über* winden: ein unbedingter Wert ist ein Postulat, aber kein erfüllbarer Begriff.“2 Freilich hat sich D i 11 h e y selbst mit der relati* vistischen Resignation innerlich niemals abfinden können. Wenn er auch kraft seines wissenschaftlichen Bewußt* seins die „Unlösbarkeit der Aufgabe“ der Metaphysik postuliert und das historische Werden und Vergehen der metaphysischen Systeme zum Gesetz der psychischen Struktur erhebt, so sucht er gerade durch die historistische Komponente seines Relativismus sich den Zugang zum Absoluten zu bahnen. Die „unergründliche Tiefe der Welt“ gibt jeder der typischen Weltanschauungen Raum und Recht.3 Wie die Dichtung, so bedeute auch die „un* geheure Arbeit des metaphysischen Geistes“ die Annähe* rung an das Absolute, ein Gedanke, den später Max Scheler in seiner Idee der Kooperation, freilich auf anderer Grundlage, ausgewertet hat. Diltheys Ringen um das Absolute ist jedoch unerfüllt geblieben und mußte es bleiben. Auch seine Annäherung an Husserl hätte ihm den Vorstoß in das Metaphysische nicht ermöglichen können. Auf der Grundlage des Transzendentalismus — und diese Grundlage kann nicht preisgegeben werden — ist eine absolute Metaphysik aus erkenntnistheoretischer Grenzeinsicht undenkbar. In der Tat hat sich Husserl trotz seiner objektivistischen Grundhaltung stets von jeglicher metaphysi* 2 Ebenda. Zur Relativität der Werte vgl. ferner Heinrich Maier, Psychologie des emotionalen Denkens, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1908, S. 641 ff., sowie des Verfassers Arbeit „Die Grundlagen der Wertethik. Wesen, Wert, Person54, Reuther & Reichard, Berlin 1931. 3 Vgl. ebenda, S. 406.