Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 310 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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310 Der Zionismus Daß nach dem Kriege Chaim Weizmann, der unerhört erfolgreiche Diplomat und Volksführer, die Selbstüberwindung und Zivilcourage aufbrachte, weite nichtzionistische Teile des Volkes, die den nationalen Gedanken in der zionistischen Fas״׳ sung ablehnen, zur Mitarbeit am Äufbauwerk heranzuziehen und ihre Gleichberechtigung gegen die eigene Organisation durchzukämpfen, ist gleichsam eine historische Bestätigung jener ersten Einheit, die Herzl auf dem Baseler Kongreß zustände brachte: die Züricher Agency-Tagung vom August 1929 ist ein volleres Echo jenes Basels von 1897. Daß aber der nationale Aufstand der Araber, der, unter furchtbar grausamen Begleiterscheinungen, doch mit einer prinzipiell verständlichen Tendenz in eben diesem August 1929 stattfand, keine wirkliche innere Umstellung der Zionistischen Organisation herbeiführte, sondern zum Teil gerade die judenstaatlich gerichteten machtpolitischen Gruppen und ihre Forderung nach einer jüdischen Mehrheit stärkte, muß sehr ernst stimmen. Trotzdem darf man den Kampf um den Zionismus, der vor allem im Zionismus selbst geführt wird, nicht aufgeben. Dazu hat diese Bewegung ein zu großes historisches Ausmaß. Sie hat, zum ersten Male seit Mendelsohn, der jüdischen öffentlichen Meinung der ganzen Welt wiederum ein einheitliches Zentrum seiner Aufmerksamkeit gegeben und schon damit die Einheit des jüdischen Volkes aufs Neue begründet. Dies ist nicht etwa so zu verstehen, daß heute alle Juden zum Palästinaaufbau oder gar zum politischen Zionismus ,,Ja“ sagen, sondern nur so, daß wieder alle Juden der Welt wissen, worüber sie sich zu streiten haben, was zentral in Frage steht. Das wußten die Juden zur Zeit der Karäer und zu der des Maimonides, im Streit um die Smicha Rahbj Joseph Caros und in dem über die Messianität Sabbatai Zwfs. Das Jahrhundert der Emanzipation zerbrach die jüdische öffentliche Meinung und damit das jüdische Volk in zwei Hälften: im Westen stand die Frage der bürgerlichen Gleichberechtigung, im Osten die so ganz anders geartete des Chassidismus im Mittelpunkt, und eine wußte nichts von der anderen.