Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 309 (sequence 127)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Zionismus 309 Thema Zion, wie wir sahen, stets ein entscheidendes und leitendes Motiv gewesen ist, bedarf es noch anderer Kategorien. Das, was wir mit einem mißverständlichen und doch unentbehrlichen Worte die ,,Äuserwähltheit“ des jüdischen Volkes nennen, besteht vielleicht darin, daß es wohl als einzige Nation der Erde sich niemals mit der bloßen Tatsache seiner Existenz zufriedengab, sondern immer absolute Wertkriterien an diese Seinsqualität heranbrachte und entschlossen war, die Existenz durch das höhere Sollen zu gefährden und, wenn es sein mußte, sie ihm zu opfern. Will der Zionismus, von dessen tiefen jüdischen Antrieben der historische Teil dieser Darstellung ausführlich gehandelt hat, seine jüdische Legitimität erhalten, so darf er sie nicht als selbstverständlich annehmen und als durch seine eigene Existenz für beweislos gegeben hypostasieren. Auch er muß sich, wie jede jüdische Bewegung, die den Namen verdient, vor die Lebensfrage stellen: Bin ich wert, zu sein? Die Antworten, die die bisherige Geschichte des Zionismus auf diese Frage gegeben hat, klingen noch zu keinem eindeutigen Tone zusammen. Daß Herzls Plan, den Juden- Staat nach englischem Angebot in Uganda zu gründen, solange er in Palästina noch unmöglich schien, an dem Widerstand der ostjüdischen Zionisten scheiterte, darf, wiewohl mit einigef Vorsicht, als ein im Sinne unserer Fragestellung positives Symptom angesprochen werden. Daß im Kriege die offizielle zionistische Politik einen Bund mit dem englischen Imperialismus einging, eine jüdische Legion aufstellte und die Balfourdeklaration erlangte, ohne sich ernsthaft um die Zustimmung der arabischen Landesbevölkerung zu bemühen, ist ein eindeutig negatives Symptom. Hier rächt sich die ursprünglich utopische Herkunft des Zionismus, die in Herzls Formel ״Das Land ohne Volk dem Volk ohne Land“ zum Ausdruck kommt und die 3uch in der Anwendung auf Palästina weniger die Realität dieses Landes als die mit ihm verbundenen messianisehen Hoffnungen, wenn auch meist in säkulasierter Form, acquirierte.