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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 308 (sequence 126)
Language
German
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308 Der Zionismus den und seit Jahrzehnten durch die Bewegung der ,,Zionsliebe“ wieder ins Glimmen gebrachten Zunder der ostjüdischen Pa׳- lästinasehnsucht gefallen wäre. Dies machte den ersten Zionistenkongreß zu einem unverlierbaren Ereignis: Ost und West, seit mindestens 150 Jahren in allem getrennt, erleben plötzlich die hinübergerettete Einheit ihres Volkstums an dem alt-neuen einen Ziel: Zion. So traf die Idee des Einzelnen auf die materiell-romantische Sehnsucht der Massen, und sie vereinigten sich zu einer modernen Organisation. Deren Wege und Glieder hier nachzuzeichnen, würde viel zu weit führen; es muß die Fest- Stellung genügen, daß sie gerade infolge ihrer Vielpartei־׳ lichkeit, die im ,,Misrachi“ ebensowohl orthodoxe Juden v/ie in den ״Poale Zion“ radikal sozialistische und zwischen ihnen beinahe alle Spielarten enthält, einen Mikrokosmos des gesamten Volkes darstellt. Auch die Fortschritte der Kolonisation, die zuerst freilich hinter der politischen Arbeit bewußt zurücktrat und deren großzügigere Wiederaufnahme erst von einer besonderen Kongreßpartei erkämpft werden mußte, können hier nicht dargestellt werden: sie führte schon vor dem Kriege zu einer jüdischen Bevölkerung Palästinas von etwa 120 000 Seelen, die dann im Kriege auf 80 000 sank und seither wieder bis auf etwa 160 000 angestiegen ist. Die Augen der gesamten jüdischen und eines großen Teils der nicht jüdischen Welt ruhen auf dieser zahlenmäßig noch unbedeutenden jüdischen Gemeinschaft weit mehr als auf quantitativ viel bedeuteenderen Zentren, weil hier die innere Autonomie einer durch die lebende hebräische Sprache gestalteten und von einer verhältnismäßig normaleren Berufsschichtung gestützten Gruppe den Beweis für die Lebensfähigkeit jüdisehen Volkstums auch unter einigermaßen autarken Bedingungen erbracht hat. Die Lebensfrage des Zionismus wird hingegen nicht von solchen Erfolgen beantwortet werden, so erstaunlich sie sind und so gewaltig die Hingabe ist, die sie zustande brachte. Vor dem Gericht der jüdischen Geschichte, in der das große

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