Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 303 (sequence 121)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293075--11146-2304447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Zionismus 303 französischen Nationalkonvent die Alternative formulierte: ״Dem Juden als Menschen alles, dem Juden als Volk nichts!“, längst bevor der Elsässer Cerf Ber entdeckt hatte, daß er mehr Franzose als Jude sei, längst bevor die ״portugiesische Nation“, d. h. die sephardische Gemeinde in Bordeaux die Gemeinschaft mit eben diesem elsässischen Juden abgelehnt hatte, da sie vornehmeren Ursprunges sei als jene, längst bevor Napoleon die jüdischen Notabelnversammlung in Paris zum ״Synhedrion“ erhöht hatte, weil sie seine assimilatorischen Fragen im wesentlichen zu seiner Zufriedenheit beantwortete, und längst bevor Stein und Hardenberg, Schleiermacher und Wilheim v. Humboldt die Preußische Judenemanzipation ganz in dem gleichen Geiste der Entnationalisierung und Abtrennung von Palästina führten, hatten sich derartige Gedanken schon im Schoße der westlichen Judenheit selbst vorbereitet. Das zentrale Problem wurde ihr das der bürgerlichen Gleichberechtigung und sie waren bereit, mehr oder minder erhebliche Bestandteile des Judentums auf ihrem Altar zu opfern. Als erste fielen Messiasglauben, Palästinahoffnung und hebräische Gebetssprache. Genau gleichzeitig aber bereitete sich im Osten eine andere Bewegung vor, die in ihrer dreifach erneuerten Beziehung zu Gott, zum Mitmenschen und zur Natur auch das gesamte Gesetz mit innerem Leben durchwärmte und aus Palästina allmählich wieder eine Wirklichkeit zu machen suchte: der Chassidismus. Einzelne seiner Führer riefen ihre Jünger zur Besiedelung des Landes auf und stellten dabei die ethischreligiöse Bedeutung der Berufsumschichtung zu körperlichbäuerlicher Arbeit bereits in den Vordergrund. Aber auch aus den Kreisen der heftigsten Gegner des Chassidismus, die sich um den, freilich selbst mystisch gerichteten Gaon Elijahu von Wilna gruppierten, kamen neue Einwanderer in das Land und besiedelten insbesondere die heiligen ״vier Länder“: Jerusalem, Hebron, Safed, Tiberias. Noch heute weist der palästinensische Gebetsritus, z. B. in der Stellung des Taugebetes am Pessachfeste, gewisse Besonderheiten auf, die sich