Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 302 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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302 Der Zionismus Anhänger der Lurianischen Kabbala und der größte Kodifikator des geltenden jüdischen Rechtes geworden ist. Merkwürdig ist allerdings, daß sein ״Schulchan Äruch“ trotz seiner unmittelbaren Messiaserwartung nicht diejenigen Gesetzesbe- Stimmungen mitenthält, die sich erst auf ,,die Tage des Messias“ beziehen, im Gegensatz zu dem Kodifikationswerk des rationalistischen und antikabbalistischen Maimonides, der in seiner ״Mischne Thora“ das gesamte Gesetzesmaterial wiedergibt. Auf der anderen Seite zeigte sich aber der aktuelle Messianismus Rabbi Josef Karos darin, daß er die oben erwähnte zentrale rabbinische Autorisation von Palästina aus, die sogenannte ״Smicha“ wieder einführen wollte, die er als eine Vorstufe der Erlösung ansah. Sie scheiterte bereits am Widerspruch des Jerusalemer Rabbinats, das Safed ein solches Primat nicht zubilligen wollte. Immerhin besitzt allein der Versuch historische Bedeutung, insbesondere auch durch die Diskussion, die er in und außerhalb Palästinas entfachte und die erneut den Zusammenhang der Diaspora mit dem Lande stärken sollte. Die nächste große messianische Bewegung aber, die Sabbatai Zwi etwa ein Jahrhundert später, in der Mitte des 17. entfacht, führt wiederum zu einem Rückschlag, von dem sich die praktische Zionsliebe lange nicht erholen sollte. Die zuschanden gewordene Verheißung des falschen Erlösers, der die Massen aus dem Hexenkessel der ukrainischen Pogrome des Kosakenhetmanns Chmelnitzki ins gelobte Land führen wollte, sie aber in Wahrheit nur bis Konstantinopel brachte und dort zum Teil der gewaltsamen Islamisierung preisgab, ließ die Realität der Zionshoffnung überhaupt zweifelhaft erscheinen und bereitete der rationalistischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts auch ihrerseits den Boden innerhalb des jüdischen Volkes. Daß sich Aufklärung, Emanzipation und Assimilation negativ zu Palästina verhielten, ist aus der Fragestellung des gesamten 18. Jahrhunderts und der jüdischen Situation ohne weiteres deutlich. Längst bevor Clermont de la Tonnere im