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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 300

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 300 (sequence 118)
Language
German
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300 Der Zionismus Dieser ״Zionismus“ Jehuda Halevis ist nach mehreren Richtungen hin bedeutungsvoll. Er ersteht in einem Lande und zu einer Zeit, in denen die Frage der jüdischen Gleichberechtigung kaum bestand. Etwa 100 Jahre vorher hatte ein jüdischer Minister des Omajaden-Kalifen in Kordova, hatte Chasdai ibn Schaprut trotz seiner führenden Stellung im maurischen Staatswesen dem jüdischen Könige des Chasarenreiches in der Krim einen hebräischen Brief schreiben können, in dem er ihm seine Ergebenheit versichert und ausdrückt, wie gerne er seinen hohen Rang aufgeben würde, nur um unter dem Szepter eines jüdischen Monarchen zu leben. Äuch hierin hatte sich ein gewisser primitiver ״Zionismus“ oder, genauer: Territorialismus ausgesprochen, der zwar von einem jüdischen Staat träumte, dem aber die Beziehung auf Erez Israel noch beinahe ganz fehlte. Jehuda Halevis Zionismus ist geistiger und zugleich wirklicher mit dem Lande Palästina verbunden; aus beiden Gründen konnte er eine viel tiefergehende Wirkung haben als jener Briefwechsel des jüdischen Ministers mit dem jüdischen Könige, der letzten Endes nichts als ein historisches Kuriosum von freilich hoher sgmptomatischer Bedeutung blieb. Aber noch ein Zweites bleibt anzumerken. Dieser Zionismus Jehuda Halevis stammt nicht aus der jüdischen Leerheit, sondern aus der jüdischen Fülle, nicht aus einem Galuth, das aller jüdischen Inhalte bar ist und unter äußerem Druck steht, sondern aus dem freien und schöpferischen Kulturleben des damals führenden jüdischen Volksteils, der in stolzer Gleichheit neben und mit dem arabischen Nachbarvolke lebt, seine Sprache wie die eigene in Dichtung, Philosophie und Wissenschaft beherrscht und trotzdem, oder eben gerade deshalb, die aktive Zionsliebe allmählich wiederfindet. So ist der Boden vorbereitet, um wenige Jahrhunderte später, diesmal allerdings unter dem Drucke der französischen Judenverfolgungen und der Verbrennugen des Talmuds, die große Pariser Jeschiwah mit ihren insgesamt 400 Rabbinen oder rabbinischen Jüngern zur UeberSiedlung ins Heilige Land zu veranlassen. Damit ist — gegen Ende des 13. Jahrhunderts

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