Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 299 (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zionismus 299 Babel geschlagen haben. Äber immerhin: es gab eine Kluft, über die man Brücken schlagen mußte. Um das Jahr 1000 etwa war Erez Israel als Wohnland aus dem Bewußtsein der Juden so gut wie ganz ausgelöscht und kam nur noch als historische Erinnerung und messianische Gebetshoffnung in Frage. Selbst wenn die Forschungen des palästinensischen Arbeiterführers Ben Zwi, der einen kleinen ununterbrochenen jüdischen Jischuw in dem noch heute bestehenden jüdischen Fellachendorfe Pekiin nachgewiesen zu haben glaubt, sich voll bestätigen sollten, wird auch diese kleine Episode in dem geschichtlichen Bilde nur den Rang einer unbedeutenden Ausnahme haben. Einen etwas höheren Rang nimmt eine andere Ausnahme ein: die gelegentlichen Wanderungen und Gemeindegründungen von Karäern in Palästina, insbesondere in Jerusalem. Es ist wohl sicher kein Zufall, daß gerade diese die mündliehe Tradition der Rabbinen leugnende und nur die Thora hochhaltende Sekte früher als das rabbinische Judentum wieder einen lebendigen Zusammenhang mit Palästina fand: aus dem Talmud konnte man sich das reale Land schließlich fortdenken, aus der Bibel niemals. Aber die erste wirklich bedeutungsvolle Wendung bringt im 11. Jahrhundert der große Dichter des jüdischen Spaniens, Rabbi Jehuda Halevi. Seine Zionsklagen, die heute noch das Kernstück unseres Trauergottesdienstes am 9. des Monats Aw ausmachen, rückten zum ersten Male wieder Erez Israel in den Mittelpunkt der jüdischen Aufmerksamkeit, besonders deshalb, da für den Dichter das Land nicht nur ein sgmbolischer Begriff rein ,,idealistischer“ Sehnsucht blieb, sondern zum realen Ziele seiner letzten Reise wurde, auf der er den von vielen Sagen verklärten Tod fand. Sein Vers: ״Mein Leib ist im Westen, doch mein Herz ist im Osten“ zeigt deutlich diese durchaus reale Bezogenheit, die den Widerspruch des Herzens und der körperlichen Wirklichkeit schmerzlich empfindet.