Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 298 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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298 Der Zionismus Reinheitsgesetze auf das Ausführlichste behandelt, die Ordnung ״Saaten“ aber, von ihrem ersten Traktat über die ,,Segenssprüche“ abgesehen, aus seinem Bereich herausläßt. Dieses hochwichtige Symptom zeigt, daß die Beziehung zum realen Lande Palästina allmählich schwächer wurde und sich vor allem in der kultischen Sphäre erhielt. Für diese Äbschwächung gibt es noch andere Merkmale. Einmal die, freilich z. T. auf römischen Druck zurückführende.. Aufhebung der ״Smicha“, der Autorisation eines obersten rabbinischen Führers der gesamten Judenheit mit dem Sitze in Palästina. Weiterhin gehören in diesen Zusammenhang die nicht immer freundlichen Urteile über Palästina, die sich im babylonischen Talmud befinden. So heißt es z. B. im vierten Teile des Traktates ״Keduschim“: Erez Israel ist reiner Teig in Bezug auf alle anderen Länder (d. h. zeichnet sich durch Reinheit des Familienlebens aus), aber Babel ist reiner Teig in 'Bezug auf Erez Israel.“ Diese Entwicklung, die das geistige Schwergewicht immer mehr nach Babylonien verschob, führte später, nach Abschluß des babylonischen Talmuds, sogar dahin, daß die Gaonim das Gebet für Tau und Regen von den für Palästina passenden Monaten auf die dem babylonischen Klima angepaßten verlegen wollten, so daß sich Abraham Geiger bei seinen gleichsinnigen Reformversuchen auf diese Vorgänge berufen konnte, die entgegengesetzte Entscheidüng des Maimonides allerdings außer Acht lassen mußte. Es kam, und schon zu spättalmudischer Zeit, sogar dazu, daß es geradezu als verboten galt, von Babel nach Palästina auszuwandern. Auf der anderen Seite finden wir auch im jerusalemitischen Talmud gelegentliche Andeutungen, die wie eine Abwehr solcher babylonischen Ansprüche auf das Primat erscheinen. Man darf natürlich diese Gegensätze nun auch nicht überschätzen und vergessen, daß immer wieder einzelne hervorragende Männer wie Hillet um das Jahr 1 oder Rabbi Jochanan um das Jahr 300 Brücken zwischen Erez Jisroel und