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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 297

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 297 (sequence 115)
Language
German
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Der Zionismus 297 selbe Unterhöhlung aber, verbunden z. T. mit politischer Passivität, bereitet ebenso die Zerstörung von Land und Tempel wie die Möglichkeit vor, diese Zerstörung zu überleben. Auch in den Tendenzen des Urchristentums können wir, soweit es noch jüdisch ist, eine Botschaft des Galuth erblicken, die hier freilich ganz positiv auftritt: als Ruf zur Weltreligion. Nach der zweiten Zerstörung, im Jahre 70 n. Chr., hatte das Judentum zunächst noch zwei geistige Mittelpunkte: den einen in Jerusalem, Jawne, Tiberias usw., den anderen in den babylonischen Pflanzstätten des Talmudstudiums, von denen Sura und Pumpeditha hervorragten. Jüdische Geschichte wird nun ganz überwiegend Literaturgeschichte, und die diesem geistigen Geschehen zugrundeliegende Tendenz läßt sich wohl am besten kennzeichnen als dauernde Mobilisierung und Präsenthaltung des gesamten Gesetzapparates für den Fall der plötzlichen Erlösung und Wiederaufrichtung des Tempels. Man hielt sein Wissen um alle einschlägigen Vorschriften in Bereitschaft, um es im täglich ersehnten und erbeteten Bedarfsfalle sofort anwenden zu können. Wiederum zeigt sich also die gleiche starke Hinwendung auf das Land seitens der exilischen Pharisäer, wie wir sie vorhin für die Exilspropheten festgestellt haben. Allmählich allerdings, mit dem immer längeren Ausbleiben des Erlösers, änderte sich etwas in der Aktualität des auf Palästina bezogenen Lern- und Gesetzesstoffes. Die beiden Talmuden, dem jerusalemitischen und dem babylonischen gemeinsame Mischna behandelt Opfer- und Reinheitsgesetze ebenso ausführlich wie z. B. die Bestimmungen über den Feldbau; sie stammt ja auch in vielen ihrer Traditionen noch aus vorexilischer Zeit. Der jerusalemitische Talmud, der im vierten Jahrhundert vollendet wird, folgt ihr darin und kommentiert auch die Ordnung ,,Saaten“, deren Traktate großenteils Palästina angehen. Anders verfährt jedoch der um 500 abschließend redigierte babylonische Talmud, der zwar die in der Diaspora und vor Wiederaufrichtung des Tempels gleichfalls nicht mehr in praxi geübten Opfer- und levitischen 8

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