Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 295 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zionismus 295 der Weltgeschichte, die religiös und kulturell Unterlegenen sein werden, schon erfüllen sich Kult und Gottesvorstellung mit fremdem Geiste, als in der Prophetie die echten Erben der mosaischen Thora auftreten und um die Reinheit des Glaubens kämpfen. Man darf in gewissem Sinne sagen, daß die Propheten die Sendboten des Galuths gegenüber der Umklammerung durch die allzu irdischen Mächte des Landes waren. Ihre Unglücks- Verheißungen über die baldige Zerstörung des Heiligtums und die kommende Wegführung des ganzen Volkes haben gewiß einerseits politischen Charakter und sollen vor gefährlichen Verstrickungen in die Weltpolitik warnen, bedeuten aber andererseits theologisch, daß ein gottungehorsames Volk das Land nicht verdient und seinen fälschenden Kräften entzogen werden muß. Die ganze Doppelheit und Paradoxie des Problems wird jedoch erst deutlich, wenn wir die Haltung der Prophetie vor dem Fall Jerusalems mit derjenigen nach der Katastrophe vergleichen. Derselbe Jeremia, der jeden Widerstand gegen Nebukadnezar für sinnlos erklärte und durch seine wahrhaft defaitistischen Reden und Gleichnistaten die Kraft des Volkes zweifellos geradezu gelähmt hat, ist auch der erste, der nach der Einnahme der Stadt und des Tempels den Rat gibt, unter Gedalja, dem vom Babglonierkönig eingesetzten Statthalter, sofort eine neue Siedlung auf den Trümmern der Stadt zu beginnen. Dem entspricht genau die Haltung der übrigen nachexilischen Prophetie: statt der Drohungen und Voraussagen des Unterganges finden wir nun die Aufforderung zur Rückkehr und zum Wiederaufbau. Gerade dieses verschiedene Auftreten in verschiedenen Situationen erweist aber die geistige Einheit der prophetischen Institutionen: diese Gottesmänner erfaßten das Judentum als leibseelische, als landgeistige Einheit und wachten stets über das Recht des jeweils im Hintergründe stehenden Anteils :־ also über den reinen Geist, wenn Israel in seinem Lande saß, über das wirkliehe Land, wenn es verloren schien. Daher rührt jene eigentümliche Vertauschung, die in der prophetischen Predigt als