Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 272 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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272?חבר עיר Was ist Und nun zu den talmudischen Priesterstädten. In sota 38 b wird die Frage aufgeworfen, was zu geschehen habe, wenn in einer Synagoge3 nur kohanim anwesend sind. Es ist das eine der theoretischen Grenzfragen, wie wir sie im Talmud auf jeder Seite finden. Für Kr. (Jahrbuch S. 199 f.) genügte die Aufwerfung dieser Frage, um mit apodiktischer Gewißheit die Behauptung aufzustellen, in der talmudischen Zeit hätten Priester- Städte (!) bestanden, die er nun gut in seine Theorie von der ״Synagoge höherer Ordnung“ verflechten konnte. Ich fragte nun, ob man daraus, daß im Talmud (chulin 3 a) die Frage behandelt wird: Darf man mit dem ״Häutchen eines Schilfrohres“ Schächten? schließen dürfe, dieses sei die damals übliche Schlachtmethode gewesen. Der Sinn meiner Frage war m. E. so klar herausgestellt, daß Kr. sie verstehen konnte. — Was entgegnet er? קרומית של קנה heißt Rohrspalte (nicht Häutchen!), ״und warum sollte man damit z. B. ein Täubchen nicht schlachten können?“ ״Können“, ganz sicher, sonst hätte der Talmud die Frage nicht behandelt. So kann auch einmal gelegentlich ein minjan nur aus kohanim bestehen. Und wenn im sch. aruch orach ch. Kap. 128, 25 die Frage des kohanim-minjan in einer Synagoge behandelt wird, dürfte jemand in späterer Zeit daraus schließen, in unserer Zeit seien die Priester- Synagogen ja sogar Priesterstädte eine gewollte, selbstverstündliche Institution gewesen? Ich hatte nicht erwartet, daß meine Einwendung gegen die Priesterstädte mit einer solch naiven Entgegnung abgetan werden würde. Und nun zu der ״Synagoge höherer Ordnung“. Sie ist im Jahrbuch das Fundament für Kr.’s Beweisführung. Wenn ich auf diese seine Entdeckung nicht im Einzelnen eingegangen bin (wie Kr. S. 14 bemängelt), so deshalb, weil ich es für zweckmäßig halte, bei solchen sachlichen Themen mich im Wesentlichen nur an die Urquelle zu halten und literarische Erzeugnisse hierzu nur insoweit heranzuziehen, als sie unmittelbar mit dem Thema in Be- Ziehung stehen. Anderenfalls besteht die Gefahr, daß man durch solche von vornherein auf eine falsche Richtung gebracht, auf jeden Fall aber nach einer bestimmten Richtung hin festgelegt wird. Kr.’s Appell zwingt mich nun, kurz zu dieser Synagoge höherer Ordnung Stellung zu nehmen. Den ersten Anstoß hierzu erhielt er, wie es scheint, durch eine Inschrift aus Rom, in der von einem archon. s. alti ordinis die Rede ist. Kr. löst die Abkürzung s. in ״synagogae“ 3 Kr. hält sich für berechtigt, dafür zu schreiben: ... in einer ״Stadt“ (bzw. ״Synagoge“). — Jahrbuch S. 245. Nur so kann er diese Stelle für seine Theorie verwerten.