Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 251 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293075--11094-2304395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Heilige und unheilige Gerüche 251 in das Kloster Le Parc au Dame zur Taufe entführen läßt. Als der Vater mit den Juden vor das Kloster kommt, um sie zu befreien, verspürt sie, die bereits Christin ist, wunder״ barerweise einen unausstehlichen Gestank. Als man ihr sagt, daß ihr Vater gekommen sei, um sie abzuholen, äußert sie: ,,Also das ist der Gestank, den ich roch. Ich werde ihn nicht sehen.“ Den Juden gelingt es dann trotz aller Mühen nicht, das Mädchen zurückzuerhalten. Sowie die Heiligkeit in einem ganz besonderen Wohlgeruche steht, so verbreitet der Ungläubige, der ja zur Teufelssphäre gehört, einen ent״ setzlichen Gestank, der durch Klostermauern dringt, und den der Betroffene wunderbarerweise verspürt. Man ersieht hieraus, daß diese Legende die Empfindung des Geruches als durchaus subjektiv betrachtet, auch wenn ihr die Begriffe des Subjektiven und Objektiven an sich na״ türlich ganz fremd sind. Darin stimmt sie mit der Ansicht der Mohammedaner über die Propheten und ihre Gräber voll״ ständig überein. Wenn von christlicher Seite, namentlich im Mittelalter, gegen die Juden geschrieben wurde, so wiederholte sich der Vorwurf des Gestanks, der von den Juden ausgeht. Dabei handelt es sich um solche Art der Geruchsempfindung, wie wir sie bei Caesarius von Heisterbach wiederholt belegt sehen. Es ist der Geruch, den alles Teuflische an sich hat. Dähelr erübrigt es sich, bei diesen Gerüchen nach andern als über״ sinnlichen Ursachen zu forschen. Andree spricht die Vermutung aus, ״daß die Sage von dem Foetor judaicus, wegen dessen die Juden von allen Na״ tionen alter und neuer Zeit verhöhnt und zurückgestoßen wur״ den, von dem unter ihnen allgemein verbreiteten Genüsse dieses streng riechenden Gewürzes6 zu allererst herrührte.“ Er beruft sich dabei auf eine Äeußerung des Kaisers -^Marcus Äurelius, übersieht aber, daß sein Gewährsmann Ammianus Marcellinus die Äeußerung über den Geruch der Juden gar 6 nämlich des Knoblauchs.