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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 250 (sequence 68)
Language
German
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250 Heilige und unheilige Gerüche lief, um sich taufen zu lassen. Als es nun wenige Tage nach der Taufe seiner Mutter begegnete, und diese es zur Rückkehr zum Judentum aufforderte, erwiderte es ihr, daß dies unmöglich sei, da es bereits getauft sei. Die Mutter erbot sich, die Taufe unwirksam zu machen. Auf die Frage, wie sie dies denn tun wolle, erwiderte sie ihrer Tochter: ״Ich werde dich zu dreien Malen durch den Ausguß der Kloake hin- und herziehen. So wird die Wirkung der Taufe vergehen.“ Die Tochter fluchte nach solchen Worten der Mutter, spie sie an und floh vor ihr. Diese Geschichte ereignete sich, wie Cäsarius sagt, ״vor drei Jahren in unserer Nachbarstadt Linz, wo man das Mädchen hält, um es einem Manne zu übergeben oder es in einem Kloster unterzubringen.“ Bei dieser Erzählung sieht man deutlich die ganz nahe Verwandtschaft mit dem Märchen vom Teufel, der in das Weihwasser gefallen ist, ebenso wie man die nahe Beziehung erkennt, die die christliche Vorstellung der genannten Zeiten zwischen Juden und dem Teufel voraussetzt. Die aus dem Altertume stammende, im Judentume kaum gekannte Vorstellung, daß gute Geister Wohlgerüche verbreiten, böse dagegen stinken, wird hier von Christen aus ihrer eigenen Vorstellungswelt der jüdischen Volksseele zugemutet. In Grimmelshausens ״Das wunderbarliche Vogelnest“ (1672) benutzt der Christ, um die Juden zu betrügen, Wohlgerüche, wenn er ihnen einen Engel, Gestank, wenn er ihnen den Teufel Vortäuschen will. Es ist tgpisch für die Ansicht der Christen über die Juden, daß sie ihre eigenen religiösen Anschauungen und abergläubischen Vorstellungen bei den Juden als selbstverständlich voraussetzt. Caesarius von Heisterbach bereitet es eine besondere Freude, einige Geschichten zu erzählen, wo jüdische Mädchen zum Christentume übergetreten seien. Am bekanntesten ist die Erzählung, wie ein junger Kleriker ein Judenmädchen, das er liebt, verführt und infolge eines Wunders in der Lage ist, das Judenmädchen durch die Taufe der Gewalt des Vaters zu entziehen. An diese Erzählung knüpft Caesarius eine weitere von einem jüdischen Mädchen in Loewen an, das sich

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