Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Heilige und unheilige Gerüche einer großen Schaar Rebhühner gesungen, sich sehen und hören lassen.“ Diese Wundermärchen sind ein Erbteil aus alter Zeit und nicht erst in Wolfenbüttel und in der Neuzeit entstanden. Nach Cäsarius von Heisterbach erfahren fromme Frauen bei dem Leichname eines unschuldig verurteilten neben andern Wundern einen überaus lieblichen Duft (suavissimi odoris flagrantiam senserunt). Äuch in dem bekannten ,,Endinger Judenspiel“ (ca. 1616) strömen die von den Juden angeblich Ermordeten Wohlgeruch wie eine Rose aus.3 In der Jovinuslegende der Kaiserchronik (12. Jahrhundert) brach in Rom unter der Regierung des Gaius ein Brand aus, der weder mit Wein noch durch Wasser gelöscht werden konnte. Bezeichnend für dieses Höllenfeuer ist außer dem unerträglichen Rauch der ausströmende Gestank, wodurch viele Einwohner den Tod fanden. Bei Pisa entdeckte man in den Ruinen der Probstei Donoraticum am 6. Januar 1455 bei starkem Schneefall mit einem Mal ein Bäumchen von wunderbarem Duft. Man forschte nach, da fand man einen Sarg, mit dem der Stamm des Bäumchens verwachsen war. Als man den Sarg öffnete, ergab sich, daß der kleine Baum aus einem Schulterknochen des Toten aufwuchs. Es war der heilige Guido de Gherardesca (gestorben um 1060).4 Die fromme Geschichte erinnert an die legendenhafte Erzählung bei Heinrich Heine von dem Tode Salomo Ben Gabirols, nur daß es dort kein Duft ist, sondern der würzige Geschmack der Früchte, der zur Entdeckung der Totengebeine der ermordeten Dichters führt. In den ersten christlichen Jahrhunderten hat man, worauf Henry Preserver Smith hinweist, in den römischen Katakomben die Gräber der Märtyrer durch die ganz besonderen 3 Vers 905—909. 4 Acta Sanctorum Boll. 20. Mai app. VII, 821. lieber den Wohlgeruch von Gräbern in der Äntike siehe Lohmeyer, Ernst: Vom göttlichen Wohlgeruch. (In: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie Jg. 1919, Abt. 9.)