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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 247 (sequence 65)
Language
German
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Heilige und unheilige Gerüche 247 tet, aber gleichzeitig den Gewändern einen durchdringenden Moschusgeruch hinterläßt. Ganz entsprechend ist es, wenn maltesische Schwänke und Märchen formelhaft schließen: ״Ein heimlicher Duft verbreitete sich, und die Geschichte ist aus“. Die Malteser sind zwar Christen, haben sich aber aus der Zeit der muslimischen Herrschaft eine eigene arabische Mundart und mit ihr besondere, den arabischen nahe Volksvorstellungen gewahrt. Dagegen verbindet die jüdische Literatur nur recht vereinzelt den Wohlgeruch mit dem Wunderbaren. Eine Legende, die im Midrasch rabbati zum Hohen Liede mitgeteilt wird, berichtet mit Wohlgefallen von Chananjä Mischael und Äzarjä, den drei Männern im feurigen Ofen. Als diese der Feuersglut entstiegen, in der sie zu?Äsche verbrannt werden sollten, waren sie so frisch, wie nie \zuvor, und an ihren Kleidern und ihnen haftete in keiner Weise der Geruch des Feuers. So hatte schon das Buch Daniel (3, 27) erzählt. Nach Eleasar ben Pedat glich ihr aus dem Feuer mitgebrachter Geruch dem im Hohen Liede (7, 9) erwähnten Dufte eines mit Apfelbäumen bepflanzten Feldes. Chidka, der zur Schule Rabbi Äkibas gehörte, führt als Erklärung der Stelle im Hohen Liede ״An Duft sind deine Oele gut“ an, daß die Frommen einen lieblichen Duft ausströmen.* 2 Auch von Sabbatai Zwi wird berichtet, daß ein besonderer Duft ihm anhaftete. Aber diese Vorstellungen, die im Morgenlande so häufig sind, findet man bei Juden ziemlich selten. Was aber dem Orient recht ist, ist natürlich auch dem Okzident billig. So hat sich in Wolfenbüttel vor rund drei Jahrhunderten ״eine neue Trostreiche Wundergeschicht“ zugetragen, die 1618 zu ״Erffurdt“ besungen und gedruckt worden ist. Es wird berichtet, wie sich ״zweg Liechter inn der Kirchen selbst entzünd, alle Glocken sich selber geleutt: Vnd neben Einern Lieblichen Geruch ein schöne Musica, sampt 2 Vgl. hierzu: Bacher, Wilhelm: Die Ägada der Tanaiten. 2. Äufl. Bd. 1, 1930. S. W/447, besonders flnm. 5.

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