Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 245 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Heilige und unheilige Gerüche 245 Hundehaaren und geraspeltem Pferdehuf gründlich durchräucherte und noch andere ähnliche Reinigungen mit ihm vornahm. Nachdem sie ihn schließlich einige Male durch den Äusfluß der Höllenkloake durchgeschlenkert hatte, sagte sie ihm: ״So, nun kannst Du Dich wieder in ordentlicher Gesellschaft sehen lassen“. Die Redensart ״das stinkt ja wie der Deibel“ beweist jedenfalls, was man ihm zumutete. Ebenso wie der Teufel eine besondere Neigung für Schwefelgerüche offenbart, so liebt jeder überhaupt den Geruch, der ihm und seinem Berufe zukommt. Ein alter Midrasch erzählt, daß eines Tages ein Bauer, der nach der Stadt gegan־ gen war, sich in den Basaren verlaufen hatte. Dabei kam er in die Gasse, wo die Parfümerie-Fabrikanten und Händler nebeneinander ihre duftende Ware ausgestellt haben und der ganze Basar danach duftet. Wie der Bauer hier zufällig hineingerät, fällt er plötzlich leblos zu Boden. Wiedererwekkungsversuche sind vergeblich. Eben will man ihn für tot forttragen, als zufällig ein Mistwagen vorbeifährt. Da schlägt der Bauer die Augen auf, atmet tief und seufzt:!״Das war ja vorhin garnicht zu ertragen“. Der Geruch kann töten und beleben. Und sicher haben die Riechfläschchen des klassischen Altertums ebenso ihre guten Dienste geleistet, wie die des galanten Jahrhunderts. Wer freilich irgend welche Beziehungen zum Teufel hat, muß Schwefelduft für Wohlgeruch halten. Umgekehrt verbreitet das Heilige die herrlichsten Düfte. Und wenn man davon spricht, daß jemand ״im Gerüche der Heiligkeit“ steht, so liegt auch hier eine ganz bestimmte Volksvorstellung dem im Volksmunde und in der Literatursprache in gleicher Weise benutzten Worte zu Grunde. Denn so wie der Teufel die häßlichen und höllischen Gerüche ausströmt, so umgeben den Heiligen die angenehmen und himmlischen Düfte. Im Islam ist die Vorstellung allgemein verbreitet, daß der Wohlgeruch, der dem Grabe Muhammeds entströmt, alle irdisehen Düfte übersteigt. Und der arabische Dichter al-Busiri schwärmt davon: