Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 243 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Heilige und unheilige Gerüche 243 er hervorgegangen ist, noch viel näher stand. Und da sich die ältesten Bräuche und Zustände in dem Kulte der Götter und in der Verehrung der Gottheit am stärksten erhalten haben, so ist es kein Wunder, wenn gerade in der Sphäre der Religion, und natürlich auch des Aberglaubens, der Geruchssinn eine unverhältnismäßig große Rolle spielt. Uralt ist das Räuchern auf dem Altäre mit Wohlgerüchen. Ein antiker Gottesdienst ist ohne dies kaum denkbar. Im israelitischen Heiligtume gab es einen besonderen Räucheraltar. Für die Herstellung des duftenden Räucherwerkes waren ganz besonders sorgfältige Vorschriften gegeben, und zweimal täglich stiegen palmenähnlich die Rauchwolken in Jerusalern auf, deren balsamische Düfte man bis nach Jericho hin verspürte. Dazu kam die Verbrennung von Räucherwerk, die die anderen Opfer begleitete. Ohne das Räuchern gab es keine Tempelverehrung. Aber auch im alltäglichen Leben liebte man, wie überhaupt im Orient, so auch im alten Israel, diese Wohlgerüche, und in den Sprüchen Salomonis (27.9.) heißt es direkt: ״Räuchern macht des Menschen Herz froh“. Jedoch durfte niemand zu profanen Zwecken, — um sich damit einen Genuß zu verschaffen —, nach den heiligen Vor^ Schriften, die bis ins Kleinste geregelt waren, Räucherwerk!!erstellen. An vielen Stellen zeigt das Hohelied, eine wie wichtige Rolle dem Gerüche beigemessen wurde. Das gesunde israelitische Volk legte den Wohlgerüchen den allergrößten Wert bei. Duftende Pflanzen und Früchte, balsamische Hügel und ätherische Oele werden zu Symbolen der Zuneigung und Liebe. Diese Gerüche überdauern als Sinnbild des schönsten Genusses das Altertum. Die Sabbathfreude wird durch Duft sgmbolisiert, und man nimmt vom Genüsse der Sabbatruhe Abschied, indem man sich noch einmal an wohlriechenden Gewürzen labt und mit einem Segensspruche noch einmal den Wohlgeruch einatmet. Wer die Kotei Maärabi an einem Feiertage besucht, dem reicht eine alte jüdische Dame eine duftende Frucht, um ihm die Gelegenheit zu geben, die Festtagsfreude