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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 242

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 242 (sequence 60)
Language
German
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242 Heilige und unheilige Gerüche und Tierkenntnis erfüllten Schriften des Dr. Zell. Mit feiner Beobachtung und guter Kenntnis zeigt der leider zu früh verstorbene Gelehrte, eine wie große Bedeutung gerade der Geruchssinn in der Tierwelt besitzt, und wie sich dieser auch auf die Beziehungen des Tieres zur Menschenwelt erstreckt. Wir kennen ja alle die alten Indianergeschichten, haben mit kindlicher Spannung und wachsendem Interesse gelesen, wie die Eingeborenen Amerikas meilenweit ihrem Geruchs- und Spürsinne folgend, ihren Freunden und Feinden durch das Dickicht der Wälder nachschleichen. Diese schönen Schilderungen, die uns in der Jugend so sehr gefesselt haben, sind zum allermindesten im höchsten Maße übertrieben. Aber es ist gleichwohl keine Frage, daß auch in den Beziehungen des Menschen zum Menschen doch der Geruchssinn nicht selten eine bedeutsame Rolle spielt. ״Ich kann den Kerl nicht riechen“ ist eine stehende Volksredensart. Aber alle solche sprichwörtlichen Phrasen haben doch auch einen realen Hintergrund. Es 1gibt eben spezifische Gerüche, die die Menschenhaut an sich hat, und die individuell und ländlich verschieden sind. Die Armut riecht anders als der parfümierte Reichtum. Ganze Länder und Völker haben bestimmte Gerüche an sich. Gewiß geht es über die Wahrheit hinaus, wenn man einzelne Personen nach ihrem Rassengeruche einer bestimmten Abstammung zuweisen will. Aber es ist keine Frage, daß gewisse Negertypen de,m Europäer einen ranzigen Fettgeruch zu haben scheinen, während ostasiatische Kulturvölker ihrerseits feinempfindliche Individuen unter sich haben, denen der Appetit zum Essen vergeht, wenn sie Europäer in ihrer Nähe wittern. Der weiße Mensch hat eben für sie einen unausstehlichen Rassegeruch, der sie anekelt. Aber alle diese Geruchsempfindungen sind nicht allgemein, sondern sogar sehr individuell. Wenn nun auch der Kulturmensch heute noch Gerüchen zügänglich, geneigt und abgeneigt ist, so ist es selbstverständlieh, daß diese Aeußerungen seiner Empfindung sich in einer Zeit viel stärker geltend machten, wo er der Natur, aus der

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