Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 204 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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204 Ueber die Zahlbezeichnung in der jüdischen Literatur teilung von Tag und Nacht in Morgen, Mittag, Abend, erste, mittlere (Richter, Kapitel 7, Vers 19) und morgendliche Nachtwache, die Elle mit ihren sechs Handbreiten (Ezechiel, Kapitel 40, Vers 5) und die sechzig Helden der Leibwache des Königs Salomo. In zweifacher Weise tritt uns die abkürzende, stenographische Bezeichnung der Zahl entgegen: entweder knüpft sie an die Strichelmethode an, bei der für jedes gezählte Ding ein Strich gesetzt wird, oder an das Alphabet, das Prinzip der Ordnung. In den Anfängen jüdischer Kultur hat man sich zum Zwecke der abkürzenden Zahlbezeichnung vermutlich auch der primitiven Methode des Stricheins bedient, wie sie das römische Altertum und die Inschriften unserer Denkmäler verwenden, wobei das subtraktive Moment als einer späteren Zeit angehörig in Fortfall zu denken ist. Eine Erinnerung an die Strichelmethode ist vielleicht noch die im babglonischen Talmud, Traktat Sabbath, folio 103 vorgetragene Ansicht des Rabbi Jose, nach der die Bretter der Stiftshütte als Merkmale für ihre Zusammensetzung mit Einschnitten (שריטה) versehen waren, eine Ansicht, die ihm möglicherweise die Veranlassung dazu gab, für religionsgesetzliche Ent- Scheidungen die Einschnitte, die ältere Zahlbezeichnung, den Buchstaben des Alphabets, der späteren Zahlbezeichnung, gleichzusetzen. Das Alphabet als Zahlzeichen zu benützen, ist sicher semitischen Ursprungs. Die Griechen, die sich auch des Alphabets zur Zahlbezeichnung bedienten, geben selbst an, daß sie diesen Gebrauch von den Phönikern haben,2 so Strabo3 2 Selbst wenn die Ansicht des Rabbi Ismael in der Mischna Schekalim, Kapitel III, Absatz 2 zutreffend ist, daß die Kammerhebe in drei Sammelbehältern vorgenommen wurde, die griechisch mit alpha, beta, gamma numeriert waren, geht hieraus keineswegs hervor, daß die Verwendung der Buchstaben als Zahlzeichen im Hebräischen aus dem Griechischen entlehnt ist. Vielleicht waren diese Behälter ein Geschenk eines griechisch sprechenden Künstlers an den Tempel und daher griechisch bezeichnet. 3 Vgl. M. Cantor, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, erster Band, zweite Auflage, Leipzig 1894, S. 85.