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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 203 (sequence 21)
Language
German
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Ueber die Zahlbezeichnung in der jüdischen Literatur 203 teles bemerkt wurde, in der Zehnzahl unserer Finger seinen Grund. Man kennt auch Völker, die zwanzig und fünf als Grundzahlen benützen. Durch Verschmelzung eines sich auf der Grundzahl sechs aufbauenden Zahlensystems mit einem solchen, das sich der Grundzahl zehn bediente, ist vermut״ lieh die Wahl der Grundzahl sechzig entstanden. Das Sech״ zigerSystem kennen wir aus den in der Nähe von Babylon zu Senkereh gefundenen Tontäfelchen und aus den der amerikanischen Universität Pennsylvania zu verdankenden Äusgra־* bungen des Baaltempels zu Nippur, die, genau so wie wir nach der Zahl zehn rechnen, nach der Zahl sechzig angeordnete Rechnungen ans Tageslicht förderten. Als Rest babylonischer Kultur verwenden wir heute noch die Zahl sechzig bei unseren Uhren. Die biblische Literatur kennt nur die rhetorische Zahl״ Bezeichnung; die größte in der Bibel auftretende Zahl findet sich im Buche Daniel, Kapitel 7, Vers 10 mit zehntausend mal zehntausend. Als Grundzahl gelangt in der Bibel aus״ schließlich zehn zur Verwendung; zwanzig hätte man eigent״ lieh, wie Abraham ibn Esra in seinem Sefer Ha״Mispar1 sagt, esrajim Zehnpaar nennen sollen, doch bezeichnet man es durch esrim mit Rücksicht auf die folgenden Zehnerzahlen schloschim bis tischim, wobei schloschim vom Stamme scho״ losch (drei) usw., tischim vom Stamme tischo (neun) kommt. Auch die Benutzung der Zahlen sechs und sechzig statt der Zahl zehn als Einheiten, ohne daß aber mit den beiden erstgenann״ ten Zahlen als Grundzahlen oder Ruhepunkten der Zählung ein Zahlensystem nach babylonischem Vorbilde aufgebaut wird, ist dem biblischem Schrifttum nicht fremd. So findet man die Einteilung des Jahres in sechs Abschnitte nach der noachi״ dischen Sündflut (1. Buch Mose, Kapitel 8, Vers 22), die Ein״ 1 Vgl. M. Silberberg, Sefer Ha״Mispar, Das Buch der Zahl, ein hebräisch״arithmetisches Werk des R. Äbraham ibn Esra, Frank״ furt a. M. 1895, S. 1. Die anderen Ängaben des Äbraham ibn Esra a. a. O. über eine ausgezeichnete Stellung der Zahl zehn sind bedeutungslos; jede Zahl mit Äusnahme von eins kann gleichwertig ebenso wie zehn als Grundzahl für das Zahlensystem gewählt werden.

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